Dieser Deal wurde vor mehr als 2 Wochen veröffentlicht und könnte inzwischen nicht mehr verfügbar sein.
Freiwillige Zulassung von Mopeds bzw. Kleinkrafträdern
5504°

Freiwillige Zulassung von Mopeds bzw. Kleinkrafträdern

5504°
Freiwillige Zulassung von Mopeds bzw. Kleinkrafträdern
eingestellt am 23. Apr 2018Bearbeitet von:"bhinspector"
Da mein Zulassungs-Deal vom Dezember 2016 so gut angekommen ist, möchte ich mit euch weiteres „Geheimwissen“ teilen – die freiwillige Zulassung von Kleinkrafträdern. Im folgenden Deal zeige ich euch die Vorteile auf, gehe auf den finanziellen Aspekt ein und gebe euch die gesetzlichen Grundlagen an die Hand.


1164407.jpg



Freiwillige Zulassung? Kleinkraftrad? WTF?

Jedes Moped, welches mit bis zu 50ccm Hubraum unterwegs ist und maximal 45 km/h fährt (ältere 50 km/h oder aus DDR-Zeiten 60 km/h), ist in Deutschland rechtlich als Kleinkraftrad eingestuft. Diese Fahrzeuge sind zulassungsfrei und mit einem Versicherungskennzeichen zu versehen. Das sind die hässlichen Schildchen, welche die Versicherungen zu teils abenteuerlichen Preisen und einer willkürlichen Kombination jedes Jahr aufs Neue ausgeben. Die Laufzeit ist immer bis zum letzten Tag im Februar beschränkt.

Jedes andere Fahrzeug (Motorrad, PKW, Anhänger, Bus…) ist amtlich zugelassen und hat mindestens ein amtliches Kennzeichen mit Zulassungsplakette und HU-Plakette (außer der letzte Polizist hat stillgelegt). Mit der freiwilligen Zulassung kommt ihr in den Genuss folgender Vorteile:

  • Saisonkennzeichen möglich
  • Wunschkombination möglich
  • H-Kennzeichen möglich (aus finanzieller Sicht hier jedoch absolut sinnlos)
  • Kein Wechsel der Kennzeichen im Februar / März notwendig
  • Sammeln von Schadensfreiheitspunkten für spätere Anmeldung von Motorrad oder PKW (vorher mit Versicherung klären)
  • Wirkung auf bestimmte Verkehrsteilnehmer verändert sich (bei einigen Autofahrern steigt ja schon der Puls wenn ein Mopedkennzeichen gesichtet wird)
  • Mit dem Fahrzeugschein muss nur noch 1 Papierstück mitgeführt werden (sonst Betriebserlaubnis und Versicherungsnachweis fürs Kennzeichen)
  • Vollkaskoversicherung möglich (gibt es beim Versicherungskennzeichen nicht)

Nun stellt sich die Frage, ob man dann mit Motorrädern gleichgestellt ist. Dies wird hier definitiv mit NEIN beantwortet! Das Fahrzeug bleibt trotz freiwilliger Zulassung ein Kleinkraftrad, welches keine KFZ-Steuer kostet und keine HU- und AU benötigt! Daher ist auf dem Kennzeichen auch keine Plakette für die HU angebracht, sondern nur das Siegel für die Zulassung (Landeswappen).

Die Rechtlichen Grundlagen:

Nach § 3 Abs. 3 FZV können von der Zulassungspflicht ausgenommene Fahrzeuge auf Antrag freiwillig zugelassen werden. Entsprechend § 29 StVZO ist die turnusmäßige Hauptuntersuchung nicht durchzuführen, da es sich weiterhin um ein Kleinkraftrad handelt. Schon allein mit diesen zwei Paragraphen seid ihr schon bestens für eine Zulassung gerüstet.

Wichtig: Allein mit der Betriebserlaubnis und den zwei Paragraphen könnt ihr nicht direkt zur Zulassungsstelle losstürmen! Als erstes benötigt ihr für das Fahrzeug die HSN/TSN (Schlüsselnummern). Diese sind entweder bereits im Gutachten eines Sachverständigen vermerkt oder müssen über ein Gutachten ermittelt werden. Dieses Gutachten ist zur Erlangung der Betriebserlaubnis bestimmt und ist nach § 21 StVZO und § 4 Abs. 5 FZV geregelt. Fahrer von DDR-Mopeds können sich alternativ über das Kraftfahrtbundesamt neue Papiere ausstellen lassen, darauf sind alle Angaben bereits enthalten. Diese Variante ist günstiger als das Gutachten (ca. 25,00 EUR). Fahrer neuerer Mopeds sollten die Papiere prüfen und ggfs. mit der persönlichen Zulassungsstelle reden, ob die Angaben auf der bisherigen Betriebserlaubnis ausreichend sind oder ob ein Gutachten durch einen Sachverständigen durchgeführt werden muss. Teilweise handeln die Zulassungsstellen auch unterschiedlich, daher ist eine Klärung vorab sinnvoll, ob ein entsprechendes Feststellungsgutachten notwendig ist. Final zur Zulassung benötigt ihr noch eine elektronische Versicherungsbestätigung.

Aus Erfahrung weiß ich sehr gut, dass kaum eine Versicherung eine eVB für Kleinkrafträder ausgibt, da es dafür ja die Mopedkennzeichen gibt. Alle Verträge habe ich bei der WGV abgeschlossen, aber hier musste ich leider ausweichen... Die HUK-COBURG jedoch hat einen solchen Tarif zur Verfügung und bietet faire Preise.

Nun steht der Zulassung nichts mehr im Wege – mein Tipp:

Schriftlich einen Antrag auf freiwillige Zulassung mit genannten Paragraphen formulieren und bei Bedarf vorlegen, nicht abwimmeln lassen. Viele Zulassungsbehörden tun erstmal so, wie als gäbe es die freiwillige Zulassung nicht, daher den schriftlichen Antrag prüfen lassen.


1164407.jpg



Die Kosten – zugegebenermaßen – rechnen sich eher langfristig. Die günstigsten Versicherungskennzeichen kosten im Jahr unter 50,00 EUR, dafür aber konstant auch in Zukunft. Die Zulassung kostet zwar erstmal Verwaltungskosten, das Kennzeichen muss geprägt werden und eventuell muss noch ein Gutachten erstellt werden. Aber aus den oben genannten Vorteilen ergibt sich (langfristig!) ein Spareffekt. Bei mir hat sich das zum 3. Jahr der Zulassung amortisiert. Wer eine Saisonzulassung will oder eine Vollkaskoversicherung benötigt, ist hier definitiv gut beraten.

Genauso kann der erfahrene Schadensfreiheitsbonus auf andere Fahrezeuge später übertragen werden – und das kann richtig viel Geld ausmachen!

PS: Dieses Verfahren sollte im Bezug auf die Gesetze auch für Mofas und Mobilitätshilfen (Segway) funktionieren. Dazu habe ich derzeit aber keine praktischen Erfahrungen.


1164407.jpg



Gute Fahrt!
Zusätzliche Info
karl92
Habe mal alles zusammengefasst, damit nicht alle in den Kommentaren suchen müssen...

1) HSN/TSN rausfinden, für alle "modernen" Roller hier.. Edit oder bei GTÜ


2) Kontakt zur Zulassungsstelle aufnehmen, gemäß diesem Schreiben.
Diese Beispielzulassungen anführen/beifügen:

..und schauen was die Zulassungsstelle antwortet

3) bei der HUK Coburg anrufen, und HSN TSN durchgeben und eine eVB bekommen.

3a) Zulassen! (Es könnte sein dass man einen Nachweis vorlegen muss wann die Erstzulassung (EZ) war, hier also den Kaufvertrag oder den Versicherungsschein des Kaufjahres vorlegen.)

4) Kennzeichen (130x180 geht laut gesetze-im-internet.de/fzv…tml)
Ansonsten halt 240 x 130 mm, die gibt es überall in den Schildershops (Kennzeichengröße lieber vorher mit der Zulassungsstelle abklären)
Edit: Bürgerdienst Mannheim wollte nur das Motorradschild, Größe 180x200. Empfehle einen Halter, mit dem kann man es wunderbar auf die Versicherungshalterplatte schrauben.


5) Kennzeichen MIT Beleuchtung montieren, es gibt sowas oder sowas

Ich habe die Beleuchtung ans Topcase montiert (laut Gesetz muss die Kennzeichenbeleuchtung mit dem Rücklicht an gehen)

38290.jpg
Diverse Anmerkungen:

1) Für Krafträder gilt die Richtlinie 97/24/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Juni 1997 über bestimmte Bauteile und Merkmale von zweirädrigen oder dreirädrigen Kraftfahrzeugen (ABl. L 226 vom 18.8.1997, S. 1) oder die ECE-Regelung Nr. 53 über einheitliche Bedingungen für die Genehmigung von Krafträdern hinsichtlich des Anbaus der Beleuchtungs- und Lichtsignaleinrichtungen (VkBl. 2005 S. 778) in der jeweils geltenden Fassung. Die Beleuchtungseinrichtung darf kein Licht unmittelbar nach hinten austreten lassen.

Beispielsweise müssen Sie die elektrische Schaltung so einbauen, dass die LED-Beleuchtung automatisch mit den Rücklichtern aktiviert wird. Also mit der kompletten Scheinwerferanlage, die bekanntlich die Rückleuchten einschließt. Ein Extra-Schalter für die LED-Kennzeichenbeleuchtung ist somit weder nötig noch zulässig
2) Für Jüngere Fahrer U23 ist die Versicherung bei HUK leider teuer, ich habe meinen Mitbewohner (19 Jahre) mit in den Fahrerkreis aufgenommen und zahle 130,53€ mit SF 1/2!



.
Beste Kommentare
696 Kommentare
Dein Kommentar