Die Zukunft des Raspberry Pi- und warum kommt so schnell kein neues Modell

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eingestellt am 27. Jun
Der Pi ist ja die Nr. 1 im Bereich Automation, Steuerung und auch bei einfachen Mediacentern bzw. Emulationen von Uraltplattformen. bemerkenswert für mich war jahrelang, dass es nie eine bessere Version gab ,so wie beim Banana oder bei Odroid, Cubie oder anderen. Überall gibt es für einfach Zwecke die einfachen im Preisbereich um die 20-30 EUR, teilweise auch darunter (mittlerweile auch beim Pi). Aber darüber gibt es nur beim Pi nichts. Es wurde immer so transportiert und per PR geäußert, dass man das nicht will, der Code soll einfach und kompatibel bleiben- vor allem will man keine Ressourcenverschwendung durch suboptimalen Code.
Dieser Thread im heise-Forum ist aber sehr erhellend:
die Beiträge gehen vom User tkaiser (1)aus, wer einen Account hat, kann ja seine Beiträge anzeigen lassen; ansonsten Google in Verbindung mit site:heise.de
heise.de/for…58/

im folgenden Zitate zusammenkopiert:

Also wer sich den "Early Adopter"-Kram sparen will (kann ich wirklich nur Entwicklern empfehlen), der sieht sich woanders um. Und da der Boardhersteller eh egal ist (weil nur der SoC wichtig ist und was seitens Community verfügbar ist -- einzige Ausnahme ist wohl Hardkernel mit ihren ODROIDs) kann man das doch ganz frei tun? Sich einfach das passende Board für den Zweck aussuchen und fertig. 2GB DRAM oder mehr, schnelle CPUs, hoher IO- und Netzwerk-Durchsatz. Gibt's alles, teils auch im Komplettpaket... aber halt nur abseits RPi natürlich, weil dessen SoC nie für was anderes als Medienwiedergabe-Dings oder Smartphone konzipiert war.
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-der raspi erfinder äusserte sich vor kurzem dazu: die grösse der speicherbausteine -würde derzeit für den raspi einen anderen formfaktor erfordern. das bord soll aber die -gleichen abmessungen behalten. (AnmerkunG: von einem anderen/Vorposter)

Ich hoffe mal, das hast Du komplett falsch verstanden, denn ansonsten wäre das schon eine ziemlich dreiste Lüge und mich würde die Quelle schon sehr interessieren.

Alle RPi basieren auf demselben SoC: dem VideoCore IV, das ist ein uraltes Dings, dessen Wurzeln sogar noch ins letzte Jahrtausend zurückreichen (BroadCom hat die Firma 2004 gekauft, später hat der Upton, der bei BroadCom als Entwickler arbeitete und heute Vorstand der RPi-Foundation ist, dann am 3D-Beschleuniger des VideoCore gewerkelt und das ist auch schon der ganze Grund, warum die Dinger heute noch mit diesem hoffnungslos veralteten Design laufen).

Der VC4 im RPi ist von 2011, damals war eigentlich DDR3-DRAM schon gängig aber das veraltete Design des RPi kann nur (LP)DDR2 und auch nur maximal 512MB pro Chip addressieren. Dass überhaupt ab dem RPi 2 1GB drin ist, ist das Ergebnis vieler übler Hacks und dass sich ELPIDA bereit erklärt hat, ein entsprechendes LPDDR2-Modul zu liefern.

Das kann man schon als die einzige Innovation in nun 6 Jahren RPi bezeichnen. Ach ja, und natürlich wurden die ARM-Coprozessoren paarmal ausgetauscht (der Hauptprozessor fährt ja ein eigenes proprietäres Betriebsystem, das der RPi-Gemeinde dreist als Firmware verkauft wird, was die auch noch lustigerweise schlucken). Falls Details interessieren (vermutlich nicht ): heise.de/for…ow/

Es ist nicht wirklich schwer, sich die Größe des ELPIDA 1GB LPDDR-Moduls anzuschauen und dann mit den 4GB auf zeitgemäßen Boards zu vergleichen: Gleich groß.

Das "Problem", was einer grundlegend neuen Hardware für den RPi entgegensteht, ist die nötige Abwärtskompatibilität, denn das ist letztlich eines der ganz wenigen Argumente, die für die Plattform sprechen: Software läuft auf allen Boards obwohl das teils häßlich lahmer ist als es sein müßte (betrifft RPi 2 und 3 mit ARMv8-CPU-Kernen, die lahmen/unoptimierten ARMv6-Code ausführen müssen).

Sollte die Foundation vom VideoCore IV abkehren bedingt das Inkompatibilität, bleiben sie beim VC4 müssen sie halt auch mit den Beschränkungen leben (wie nicht mehr zeitgemäßes DRAM, was direkt alles rund um Video- und Grafikauflösung bestimmt -- lahmes RAM --> geringe Auflösung --, bescheidenste IO-Bandbreite, usw. usf.). Und noch irgendwas Strukturelles an der ausgelutschten VC4-Plattform zu machen, wäre ein wirtschaftlicher Totalschaden. Aber da man der RPi-Fangemeinde eh alles Mögliche erzählen kann, macht man dann halt auch das.

Ihr solltet nicht vergessen, dass der VC4 der Hauptbestandteil des SoCs ist (die ARM-Cores, auf denen das sekundäre OS läuft, sind da nur drangestöpselt worden) und daher alles durch dessen Limitationen (2011er-Design!) bedingt ist. Die können gar nicht auf irgendwas Modernes oder auch nur ansatzweise Zeitgemäßes umsteigen ohne den Hauptvorteil der Plattform zu verspielen.

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Ich denke, es ging um Strukturbreiten. Der SoC von allen RPi ist ja im Prinzip genau das, was BroadCom an ihre Kunden schon 2010 vertickt hat. Ein VideoCore IV mit einem proprietären OS, einem damals schon altbackenen Speicherinterface, nur einem USB2-Port. Und das alles im 40nm-Verfahren.

Dabei ist es bis heute geblieben, nur hat BroadCom schon 2011 angefangen, zum VideoCore IV (kurz VC4) noch einen schwachbrüstigen ARM-Core mit auf das Die zu werfen (in dem dann ein paralleles zweites Betriebsystem parallel zum VC4 laufen kann, bspw. Linux/Raspbian).

Seitdem hat sich praktisch nix geändert, nur sind die ARM-Koprozessoren zweimal ausgetauscht worden. Aber das ist immer noch derselbe Chip, immer noch in 40nm und damit ist halt dann auch Ende. Und das hat Eben Upton mal beklagt und erklärt, dass man mit 40nm halt am Ende der Möglichkeiten angelangt sei.

Warum ihm das abgenommen wurde, erschließt sich mir nicht, denn er hätte ja auch sagen können: hey, dann setzen wir halt auf 28nm wie der Rest der Welt (Top-ARM-SoCs sind aktuell bei 14nm oder noch weniger aber diese Fertigungsprozesse sind noch happig teuer).

Die RPi-Leute können aber nicht so einfach auf 28nm gehen, weil sie ja keine Hardware machen, sich mit ihrer bisherigen Policy auf Gedeih und Verderb an BroadCom gebunden haben, für BroadCom der VC4 wohl schon vor Jahren eigentlich abgeschrieben war und sie vermutlich baff erstaunt waren, dass man noch paar Millionen von dem veralteten Kram absetzen konnte.

Auf irgendeinen zeitgemäßen SoC wechseln geht aber auch nicht, denn das würde ja eines der ganz wenigen Argumente pro RPi zerstören: Ein Image für alle Geräte und bedingungslose Abwärts-Kompatibilität (das meine ich übrigens nicht im Scherz, das ist für die ursprüngliche Zielgruppe definiert mehr Feature als Fehler).

D.h. ohne dass sie BroadCom dazu bewegen könnten, nochmal signifikant Entwicklungsaufwand in den ollen VC4 zu stecken (Die-Shrink auf 28nm und anderes Speicherinterface, ggf. mehr IO-Anbindung) kann es keinen signifikant technisch besseren neuen RPi geben bei gleichzeitiger Kompatibilität zu den alten RPi.

Mit 40nm ist beim CPU-Takt Schluß (zu viel Energie nötig und damit einhergehend zu viel Hitze anfallend, um höhere Taktfrequenzen zu ermöglichen), ohne neues Speicherinterface geht nicht mehr als 1GB (das eh schon ein übler Hack ist!) und höhere Speicherbandbreite, die's für Video mit mehr als 1080p bräuchte, ist auch nicht drin. Und ohne ein grundlegendes Re-Design wird auch der "ein USB2-Port"-Flaschenhals nicht verschwinden können. Und ob BroadCom für paar Millionen verkaufte SoCs mehr den Aufwand auf sich nimmt... danach sah's eher nicht aus. Es sieht so aus, als ob der VC4 eine Sackgasse ist.

Alles was noch geht, wäre das lahme Ethernet durch verkrüppeltes Gigabit Ethernet auszutauschen (per USB2 angebunden) oder ggf. bisserl besseres WLAN, weil das anders als der ganze Rest nicht am USB-Port hängt sondern per SDIO angebunden ist.

Alles darüber hinausgehende bedeutet einen Schnitt, den sie wohl noch vor sich herschieben...

Da hat's die sogenannte "Konkurrenz" insofern einfacher, denn irgendwelche SoCs von 2016 oder 2017 auf anderen SBC sind dem 2011er-Design des RPi naturgemäß beinah überall voraus. Kehrseite der Medaille: je neuer der SoC desto scheizer üblicherweise der Status bzgl. Software-Support. Das ist ja auch ein anderer Nebeneffekt von null Innovation: die Software kann in Ruhe reifen, was beim RPi ja definitiv die letzten Jahre geschehen ist.

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Anmerkung von mir:
nach dieser Lektüre ist soweit klar. Das Konzept ist/war von Anfang an in einer Sackgasse. Man schaffte es noch mit dem RAM Kniff zumindest auf 1GB zu kommen.
Für mich bedeutet das aber, dass es keinen Zweck mehr hat auf einen RPi mit 2 GB und neuerem, schnellerem ARM SOC mit Ethernet Anbindung und/oder SATA zu hoffen. Das kann und wird die Plattform nicht liefern.
Für alles bestehende und was man damit schon jetzt gut erledigen kann, ist die bestehende Community ein Trumpf. Hoffentlich kommt die Entscheidung bald, ehe die vorhandenen Gelder verblasen sind, ein neues Konzept aufzubauen, was zwar inkompatibel ist, aber durch den Namen einen gewissen Stand in der Community besitzt.
Bis dahin bleibt nur sich bei Odroid, Rock64 oder Orange Pi umzuschauen. Banana scheint durch den Verkauf an Foxconn durch zu sein. Vielleicht hat der ein oder andere auch schon Erfahrungen zu den genannten Plattformen hier mitzuteilen?
Zusätzliche Info
Raspberry Pi AngeboteDiverses
Beste Kommentare
TL;DR
Wenn ich heise-news will, geh ich in der Regel zu heise.de, wenn ich Schnäppchen will zu mydealz.de, wenn ich eine Suchmaschine brauche zu google.de, etc. Hier ellenlange Threads aus anderen Foren reinzukopieren... Naja. Außerdem stecken eh überall die Illuminati dahinter, jm2c.
10 Kommentare
TL;DR
aha
Lieber Threadersteller,
der Text ist leider etwas unstrukturiert.
Ich denke, Dir geht es darum, aufzuzeigen, warum der Raspberry Pi sich nicht in dem Maße weiterentwickelt, wie Du es gerne hättest und warum die Klone / Konkurrenz scheinbar vorbeiziehen. Liege ich da richtig?

Der Raspi hat sich zu einem eigenen Ökosystem gemausert. Durch das kompakte Design, geringen Stromverbrauch, den günstigen Preis und die, ab Model 3 sehr, brauchbare Performance, hat man ein erfolgreiches Produkt auf den Markt geschmissen Der Raspi wurde ja für den Zweck entworfen, den Jungspunden in der Schule, im Informatikunterricht, neben Word, Excel und Powerpunkt auch das Programmieren näher zu bringen. Durch den günstigen Preis soll das heute tatsächlich an so mancher Schule der Fall sein. Zumindest haben sich sofort nach Release viele Leute so einen Kleinstrechner gekauft, da konnte man regelrecht von Euphorie sprechen!
Wie viele Raspberries liegen seither im Schrank von Bastlern / Nutzern, weil sie am Ende doch nicht das bekommen haben, was sie erhofft hatten; einen Desktop-Ersatz - oder einfach nur experimentieren wollten. Ich habe hier 3 Raspberries und einen davon (3er Raspberry "Hey, Baby - Darf ich Dir meine Festplatte zeigen?!") im Dauereinsatz als Server / Mikrocontroller.

Wer mehr Performance (abseits von AMD64 und x86) sucht, sollte eventuell auf RISC-V schielen, was gerade im kommen ist - aber noch ein paar weitere Jahre brauchen wird. Wenn man der englischen Sprache mächtig ist, kann man sich auch in der elektronischen Bucht (alte) Computer kaufen und mit Linux / BSD experimentieren. Eventuell wird man da auch fündig - kommt eben auf die Anforderungen und Skills an. Der Stromverbrauch von unter 5 Watt ist jedenfalls ein gutes Argument für den Pi.

Mehr Infos:



Viele Grüße!
Raspi Nummer1 in Automation? Hab ich was verpasst?
cyberathletevor 23 m

Raspi Nummer1 in Automation? Hab ich was verpasst?



Heimautomation
Power reicht für die Pimmelaufgaben mehr als aus
lieber Johnny, danke für Deine freundliche Antwort.
Die von mir zusammenkopierten Beiträge von thkaiser(1) aus dem Heiseforum zeigen nicht warum der RPi so erfolgreich ist, sondern warum die Hardware vom Design her sich in einer Sackgasse befindet. Und warum alles hoffen auf die genannten Verbesserungen im Rahmen einer abwärtskompatiblen Plattform sinnlos ist. Es ist nicht möglich dieses Design upzugraden.
VG
Des weiteren steht der Apple ARM Chip kurz vor seinem Einzug in die Notebookserie- genau weil ARM bereits diesen Leistungsstand erreicht hat.
Allerdings der Pi nicht mehr, darum geht es hier.
Wenn ich heise-news will, geh ich in der Regel zu heise.de, wenn ich Schnäppchen will zu mydealz.de, wenn ich eine Suchmaschine brauche zu google.de, etc. Hier ellenlange Threads aus anderen Foren reinzukopieren... Naja. Außerdem stecken eh überall die Illuminati dahinter, jm2c.
Dass der RPi am Ende der Fahnenstange angekommen ist- diese Info fand ich sehr bemerkenswert.

Das seltsame ist, dass Heise auch nicht darüber berichtet.

Aber das ist die von Dir angedeutete Lückenpresse, die lassen das Wesentliche weg und beschäftigen uns mit Bullshit.
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