eingestellt am 15. Nov 2018
Da wir gefühlt in letzter Zeit häufiger mal Deals für Proteinpulver oder Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen auf unserer Plattform sehen und diese im Gegensatz zu früher auch nicht mehr automatisch in der ewigen Kältehölle landen, dachte ich mir, dass es mal an der Zeit wäre, einen Übersichtsartikel mit häufig aufkommenden Fragen und allgemeinen Tipps beim Supplement-Kauf zu erstellen.

Achtung: Das hier soll explizit keine reine Expertenrunde werden und nicht zu tief ins Detail gehen, denn das schreckt wohl die meisten "Fachfremden" eher ab. Außerdem gibt es einschlägige Fitness-Foren, in denen bereits extrem detaillierte Ausführungen zu jeder denkbaren Kleinigkeit stehen. Hier soll es also nicht darum gehen, wie viele Sekunden nach Trainingsbeginn der katabole Teufel zuschlägt oder ob man sein Kreatin besser in Traubensaft oder Kaffee kippt. Es geht einzig und allein um grobes und teilweise stark vereinfachtes Basiswissen, welches eine grundlegende Orientierung in einem extrem Marketing-orientierten Bereich sowie eine bessere Vergleichbarkeit verschiedener Deals erlauben soll.

Alles, was hier steht, basiert auf eigenen Erfahrungen bzw. über die Jahre angelesener Theorie. Ich freue mich natürlich über Ergänzungen oder Korrekturen, aber denkt bitte dran: Es soll möglichst simpel bleiben.

Legen wir direkt mit der wichtigsten Frage los:

Muss ich Proteinpulver zu mir nehmen, wenn ich Sport mache bzw. Muskeln aufbauen will?

Nein, denn Nahrungsergänzungsmittel sind genau das, was im Mittelteil steht: Ergänzungen zur normalen Ernährung. Wenn diese nicht passt, holt ihr auch mit noch so vielen Pulvern nicht das Optimum raus. Im Umkehrschluss wird bei einer bereits hundertprozentig "sauberen" Ernährung, die den kompletten Bedarf an Kalorien und Protein abdeckt, alles, was ihr zusätzlich "hineinkippt", bestenfalls zu (teurem) Urin.

Was ist denn nun die empfohlene Menge an Protein zum Muskelaufbau?

2g Protein pro Kilo Körpergewicht kann man als vereinfachten Richtwert anpeilen, aber dieser ist nicht in Stein gemeißelt. Wichtiger ist die Kalorienbilanz, denn bereits die Logik sagt uns, dass ein Körper, der zu wenig "Brennmaterial" zur Verfügung hat, sich weigern wird, "Fleisch" draufzupacken". Also: Immer erst genug essen, dann den Durchschnitts-Proteinwert der Nahrung aufschreiben und dann entscheiden, ob ein Pulver sinnvoll sein könnte.

Wieso dann überhaupt Proteinpulver, wenn normale Nahrung ausreicht?


Gute Frage, auf die es mehrere Antworten gibt:
  • Der Komfort. Proteinpulver lässt sich überall mit hinnehmen, nimmt wenig Platz weg, ist schnell zubereitet und ist vor allem ohne Kühlung sehr lange haltbar (solange die Tüte/Dose gut verschlossen wird).
  • Der Preis. Ihr werdet euch jetzt vielleicht fragen, wie das denn sein kann, wenn man so manche Wucherangebote sieht. Da wir hier auf einem Schnäppchenportal sind, ignorieren wir diese aber natürlich und konzentrieren uns auf die wirklich günstigen Deals. Ich komme später noch zu einer kleinen preislichen Gegenüberstellung von Pulver vs. "normaler" Nahrung, aber Fakt ist: Wer geschickt einkauft, spart gegenüber den meisten Lebensmitteln Geld.

Warum gibt es so viele unterschiedliche Pulver und welches ist das beste?

Protein kann naturgemäß aus den unterschiedlichsten Quellen kommen. Für Pulver am gängigsten sind Molke (Whey), Milch (Casein) und Soja. Ohne zu tief ins Detail zu gehen, kann man sagen, dass sich nach dem Training am ehesten Whey anbietet, weil es sehr schnell vom Körper aufgenommen wird. Gegen Abend hingegen macht ein langsam verdauliches Casein-Produkt eher Sinn, weil somit ein längerer Zeitraum abgedeckt wird. Was Soja angeht: Für Allesesser und Vegetarier spricht (abgesehen vom niedrigen Preis) in meinen Augen wenig dafür, denn der Geschmack ist doch sehr "eigen" (um das Wort "eklig" schön zu umschreiben) und die Löslichkeit schlecht. Veganer haben es da natürlich schwerer, denn Alternativen wie Reis, Erbse oder exotischere Komponenten (Hanf etc.) sind meistens teurer und vom Körper schlechter verwertbar.

Was ist mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln? Sinnvoll oder nicht?

Meine bescheidene Meinung: für den Durchschnittstrainierenden eher nicht. BCAAs, Pre-Workout-Booster und noch weitaus exotischere Mittel haben alle ihre Berechtigung, wenn es im (Profi-)Bodybuilding auf das letzte Quäntchen ankommt und sämtliche anderen Punkte (Nahrung, Training, Erholung) bereits komplett durchoptimiert wurden. Otto-Normal-Pumper geht aber nicht in der Ketose oder auf leeren Magen trainieren und kann auch ohne "brutalen Pump" im Studio auskommen. Wer will, kann natürlich trotzdem zugreifen, denn auch die psychische Komponente ist für den Trainingserfolg nicht zu unterschätzen. Wenn es eurer Motivation hilft, legt euch ruhig ein Pillen-Arsenal zu und gönnt euch vor dem Gym einen Power-Cocktail, aber gebt bitte nicht zu viel Geld für den Kram aus.

Und was ist mit Tee Kreatin?

Wieder einmal nur meine persönliche Einschätzung, aber Kreatin ist billig genug und die Studienlage breit genug, dass auch für Hobby-Trainierende die Vorteile überwiegen. Dazu zählen vor allem eine schnellere Regeneration sowie eine Kraftsteigerung, welche euch wiederum erlaubt, "härter" zu trainieren und somit letztlich auch das Muskelwachstum verbessern kann. Löst euch aber direkt von der Illusion, dank Kreatin plötzlich vom Stepper-Akrobaten zum Kraftdreikämpfer zu mutieren, denn die Zuwächse sind mit ~5 bis maximal 10% überschaubar. Außerdem solltet ihr wissen, dass es durch die Einnahme von Kreatin zu Wassereinlagerungen kommt. Wundert euch also nicht, wenn die Waage plötzlich etwas mehr anzeigt als zuvor.

Wo ist der Unterschied zwischen Kreatin Monohydrat und Creapure?

Chemisch gesehen gibt es keinen, denn auch bei Creapure handelt es sich um ein Monohydrat, also "reines" Pulver ohne irgendwelche Zusätze. Unterschiede gibt es allerdings im Produktionsort, denn Creapure ist ein Markenname des deutschen Herstellers AlzChem, während sonstige Pulver von überall kommen können (und wohl meistens in Asien produziert werden). Diese "Sicherheit" ist vielen einen Aufpreis wert, denn Creapure kostet gut doppelt so viel wie "normales" Kreatin. Da es nur diesen einen Hersteller gibt, der verschiedene Kunden beliefert, ist es übrigens auch egal, welche Marke außen draufsteht: Creapure bleibt Creapure und ihr solltet immer das günstigste kaufen. Das gleiche gilt in meinen Augen für reguläres Monohydrat, denn bislang hatte ich noch nie Probleme mit der Verträglichkeit, solange ich die Faustregel befolgt habe, genug zu trinken. Lediglich in der Löslichkeit gibt es Unterschiede; Creapure ist in aller Regel feiner gemahlen (wie Puderzucker). Es hilft allerdings auch, sein Pulver in warmen Getränken aufzulösen.

Dann wären da ja auch noch Riegel. Sollte ich immer welche dabeihaben?

Protein- oder andere Riegel treiben den Vorteil des Komforts auf die Spitze, denn sie sind verpackt und direkt verzehrbar. Dafür sind sie im Verhältnis teurer und in aller Regel (!) mit minderwertigeren Proteinen angereichert, um eine hohe Zahl auf die Verpackung drucken zu können. Ein Shake ist daher praktisch immer vorzuziehen. Dennoch haben natürlich auch Riegel eine Berechtigung, sei es wegen ihrer Kompaktheit oder einfach als kleine "Belohnung" zwischendurch. Auch Süßigkeiten müssen mal erlaubt sein, und wieso dann nicht zu einem Schokoriegel greifen, der zumindest noch einen gewissen Zusatznutzen erfüllt?

Für uns wohl am wichtigsten: die Preisfrage. Was dürfen Nahrungsergänzungsmittel kosten?

Die meisten Fitness-Shops zeigen auffällige Parallelen zur Matratzen-Industrie, denn auch hier sind Rabatt-Aktionen der Dauerzustand und niemand - ich meine wirklich niemand! - hat jemals den "Normalpreis" für ein Produkt bezahlt.

Das ist zwar insofern etwas unschön, als es undurchsichtig ist, aber mit etwas Aufmerksamkeit schafft man es trotzdem, die mäßigen Angebote von wirklichen Deals zu unterscheiden. Ich demonstriere mal anhand des wohl bekanntesten Beispiels, wie man hierbei vorgehen kann:

Myprotein
Hier läuft eigentlich immer irgendein Sale, in dessen Rahmen gewisse Produkte entweder direkt, oder per Gutscheincode reduziert sind. Im ersten Fall (Direktabzug) ist eine Kombination mit Gutscheinen, die durch verschiedene Seiten im Internet geistern, meistens möglich; im zweiten Fall nicht. Als Faustregel gilt jedoch immer: Es ist völlig egal, welche Prozentangabe im Sale selbst bzw. im Gutschein steht, denn am Ende zählt einzig und allein, welcher Preis nach Abzug aller Rabatte (und ggf. inklusive Versandkosten) im Warenkorbsteht. Aus diesem Grund schaut man idealerweise, was das Produkt der Wahl in der Vergangenheit gekostet hat (beispielsweise auf Mydealz) und vergleicht die Preise. Um zumindest für die wohl am häufigsten gekauften Produkte wie Proteinpulver, Kreatin, Haferflocken und Erdnussbutter die Vergleichbarkeit zu erleichtern, hat sich zudem die Angabe von Kilopreisen etabliert.

Um mal ein paar Preise aus meinen letzten entsprechenden Deals bereitzustellen:


Nachtrag: Mittlerweile habe ich mir tatsächlich mal die Zeit genommen, einen kompletten Monat (Februar 2019) hindurch sämtliche Aktionen zu verfolgen und in einer Tabelle festzuhalten. Beobachtet habe ich sowohl die Angebote auf der Seite selbst als auch Codes aus dem Newsletter, WhatsApp oder (in einem Fall) der Influencer.

Herausgekommen ist eine Liste mit Durchschnitts- und Bestpreisen für eine Auswahl an Produkten, die ich persönlich für relevant halte:

1268039-uOtxt.jpg
Als Faustregel, wann ein Angebot gut ist und man getrost zuschlagen kann, würde ich 10% unter dem Durchschnittspreis ansetzen. Liegt der Preis darüber, ist das Produkt in der aktuellen Mischkalkulation eher zu teuer und wird garantiert in absehbarer Zeit wieder billiger.

Kommen wir zuletzt noch zu einem Punkt, der mir schon länger auf dem Herzen liegt, aber den ich bislang immer aufgeschoben habe. Angesichts vermehrter Angebote für Proteinpulver, oftmals von exklusiv vertriebenen Produkten bzw. Eigenmarken, habe ich mir überlegt, dass es eine möglichst einfache Kennzahl braucht, um verschiedene Artikel schnell miteinander zu vergleichen. Das Ergebnis dieser Überlegungen hört auf den Namen Protein pro Euro, der Einfachheit halber P/€ abgekürzt. Hierdurch soll auf einen Blick ersichtlich werden, wie viel Gramm Protein ihr pro Euro bei einem beliebigen Produkt erhaltet. Versandkosten werden dabei nicht berücksichtigt, sofern sie ab einem gewissen Bestellwert entfallen. Die Formel zur Berechnung ist ziemlich simpel:

Protein pro 100g / Preis pro 100g = Protein pro Euro


In unserem Beispiel (aus dem Ursprungdeals der Idee) bedeutet das:

74/0,798=92,73


Angenommen, dieses Proteinpulver käme beim gleichen Preis auf 80g Protein pro 100g, dann würde der P/€ 100,25 betragen. Man sieht also, dass ein höherer Wert besser ist.

Nun ging es aber ja eigentlich darum, direkt auf einen Blick ersichtlich zu machen, welches Preis-Leistungs-Verhältnis ein Proteinprodukt bietet. Wenn wir hier also wieder mit mehreren Nachkommastellen hantieren, leidet die Übersicht im gleichen Maße, wie bei Angaben von Euro pro Kilo oder Cent pro Gramm Protein. Daher wird einfach radikal auf- bzw. abgerundet und die hierbei entstehende ganze Zahl vor das "P/€" geschrieben, in diesem Fall also 93P/€.

Zum Vergleich:
  • Das Myprotein Impact Whey kommt beim obigen Preis auf 94P/€.
  • Das Impact Whey Isolat landet wegen des verhältnismäßig hohen Preises nur bei 70P/€.

Und hier kurz die "üblichen Verdächtigen" aus dem Nahrungsmittelbereich (basierend auf aktuellen Marktpreisen der Discount-Produkte):
  • Magerquark: 87P/€
  • Eier (Größe M ~50g): 43P/€
  • Hähnchenbrust (6€/kg): 38P/€

Was ich mir von dieser Notation langfristig erhoffe, ist nicht nur eine bessere Vergleichbarkeit verschiedener Hersteller bzw. deren Produkte, sondern auch mehr Transparenz im Dauerrabatt-Dschungel. Mir ist auch klar, dass es sich um eine extrem grobe Vereinfachung handelt und beispielsweise ein Wheyproteinisolat trotz des nur geringfügig höheren Proteinanteils in der Regel weitaus teurer ist als etwa ein Mehrkomponentenprotein (und die Zielgruppe auch bereit ist, diesen Aufpreis zu zahlen). Solche Unterschiede werden dann allerdings ja nach wie vor in der Beschreibung herausgestellt. Der P/€-Wert soll lediglich einen ersten, schnellen Anhaltspunkt bieten, der sich zudem relativ schnell auf andere Lebensmittel übertragen lässt und vielleicht den ewig aufkeimenden Diskussionen "echte Nahrung vs. Ergänzungsmittel" ein wenig Einhalt gebieten kann. Ich werde in Zukunft zumindest alle meine entsprechenden Deals mit P/€ versehen und würde mich freuen, wenn die Idee Anklang findet. Natürlich bin ich auch anderen Berechnungen gegenüber aufgeschlossen, wenn jemand eine bessere Alternative anbietet.

Zusätzliche Info
Sonstiges
Diskussionen
Beste Kommentare
73 Kommentare
Dein Kommentar