Kein Widerrufsrecht bei Abholung im Markt und Zahlung im Markt

Admin

Vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen, da die Situation ja durchaus komplex ist. Wenn ihr etwas online bestellt und im Markt abholt, wie definiert sich dann das Widerrufsrecht.

Generell ist es wohl so, dass nur wenn ihr auch online gezahlt habt, ihr auch bei Abholung im Markt euer Widerrufsrecht behaltet. Sollte ihr also online bestellen, Lieferung und Zahlung im Markt beantragt, verwirkt ihr euer Widerrufsrecht.

Bei Lieferung im Markt und Zahlung online habt ihr weiterhin euer 14 tägiges Widerrufsrecht.

Da ich mir die Frage selber schon öfter mal gestellt habe, fand ich die Info ganz interessant. Musste ein Kollege im Saturn vor einigen Tagen feststellen.

Beliebteste Kommentare

Sehe ich problematisch. Wenn der Vertrag einzig und allein online geschlossen wurde und der Kunde vor Ort nicht mehr die Möglichkeit sich zu entscheiden, sondern wirklich einzig zur Abholung in das Geschäft kommt, dürfte auf das Kriterium der Bezahlung keine Rücksicht genommen werden. Dafür gibt das Gesetzt auch nichts her. Dort ist nur die Rede von Vertragsschluss, kein Wort von Bezahlung.
"Sofern der Kaufvertrag zwischen Verbraucher und Händler allein über das Internet im Rahmen eines dafür organisierten Vertriebssystems wie eBay abgeschlossen wird, besteht das Widerrufsrecht. Umstände nach Vertragsschluss wie beispielsweise die Abholung oder auch die Bezahlart spielen keine Rolle. Wird die endgültige Kaufentscheidung allerdings erst im Laden getroffen, besteht kein Widerrufsrecht."

adminvor 4 m

Also die Erklärung war folgende.Wer online bestellt, aber offline liefert und bezahlt, hat nicht bestellt, sondern reserviert. Man hat also eine Reservierung, die einem den Preis im Markt für einen gewissen Zeitraum zusichert. Der Kaufvertrag wird aber mit dem Markt geschlossen.Rechtlich ist es vermutlich sogar so, dass es dann ein anderer Vertragspartner ist, nämlich die Offline Filiale (die ja bekanntleich eigenständig sind) und nicht der Online-ShopMein Kollege hatte extra noch den Filialeleiter kommen lassen, weil er das auch nicht glauben konnte/wollte.



Das ist aber kreativ. Und wenn ich online zahle? Hab dann auch nur reserviert und an einen falschen Vertragspartner gezahlt? Und drück ich im online shop nicht "jetzt kaufen" sondern "jetzt reservieren"? Oder ist das alles im Kleingedruckten geregelt? Sehe ich persönlich höchst problematisch und rechtsmissbräuchlich.

56 Kommentare

Genau diese Problematik habe ich vor zwei Tagen gegoogelt. Da ich mein VR im Saturn vorbestellt habe, aber dann im Markt bezahlt und abgeholt habe.

Glücklicherweise möchte ich es behalten, so schlecht ist es ja gar nicht.

Falls ich enttäuscht gewesen wäre, hätte ich sonst ein Problem gehabt.

Danke. Gut zu wissen!

Macht ja auch Sinn .....bezahlen und vor Ort mitnehmen = kein Fernabsatzgesetz mehr --oder doch ?

WIe ist das juristisch?

In dem Fall würde ja die Internetpalttform ja nur die Anbahnung / die Vermittlung des Geschäftes machen.
Oder doch nicht weil der Kaufvertrag mit "Auslieferung" der Ware zustande kommt.

Sehr interessant rein juristisch. Wer spielt da welche Figur.

Ab wann ist der Kaufvertrag in welchen Fall zustande gekommen ?

Da muß ich noch mal länger drüber nachdenken ...............



Sehe ich problematisch. Wenn der Vertrag einzig und allein online geschlossen wurde und der Kunde vor Ort nicht mehr die Möglichkeit sich zu entscheiden, sondern wirklich einzig zur Abholung in das Geschäft kommt, dürfte auf das Kriterium der Bezahlung keine Rücksicht genommen werden. Dafür gibt das Gesetzt auch nichts her. Dort ist nur die Rede von Vertragsschluss, kein Wort von Bezahlung.
"Sofern der Kaufvertrag zwischen Verbraucher und Händler allein über das Internet im Rahmen eines dafür organisierten Vertriebssystems wie eBay abgeschlossen wird, besteht das Widerrufsrecht. Umstände nach Vertragsschluss wie beispielsweise die Abholung oder auch die Bezahlart spielen keine Rolle. Wird die endgültige Kaufentscheidung allerdings erst im Laden getroffen, besteht kein Widerrufsrecht."

allerdings hat man doch die Möglichkeit zu Widerrufen, glaube ich.

Im Kundenbereich beim Saturn steht zb. "Artikel zurückgeben". Ob dieser Knopf nun funktioniert, habe ich nicht getestet.

Vielleicht kann da jemand seine Erfahrungen dazu schreiben, würde mich auch Interessieren.

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Hedonistvor 2 m

Sehe ich problematisch. Wenn der Vertrag einzig und allein online geschlossen wurde und der Kunde vor Ort nicht mehr die Möglichkeit sich zu entscheiden, sondern wirklich einzig zur Abholung in das Geschäft kommt, dürfte auf das Kriterium der Bezahlung keine Rücksicht genommen werden. Dafür gibt das Gesetzt auch nichts her. Dort ist nur die Rede von Vertragsschluss, kein Wort von Bezahlung."Sofern der Kaufvertrag zwischen Verbraucher und Händler allein über das Internet im Rahmen eines dafür organisierten Vertriebssystems wie eBay abgeschlossen wird, besteht das Widerrufsrecht. Umstände nach Vertragsschluss wie beispielsweise die Abholung oder auch die Bezahlart spielen keine Rolle. Wird die endgültige Kaufentscheidung allerdings erst im Laden getroffen, besteht kein Widerrufsrecht."




Der Kaufvertrag bzw. die endgültige Kaufentscheidung ist vielleicht aber erst mit Vollzug der Zahlung vollzogen ... ????

inkognitovor 3 m

Der Kaufvertrag bzw. die endgültige Kaufentscheidung ist vielleicht aber erst mit Vollzug der Zahlung vollzogen ... ????



Nein, ist es nicht. Zahlung ist Erfüllungsgeschäft, nicht mehr.
Ich habe übrigens das AG Charlottenburg, Urteil vom 18.02.2016, 211 C 213/15, zitiert. Ja, nicht höchstrichterlich, aber ein guter Anhaltspunkt.

Ein Vertrag im Sinne des § BGB § 312 c BGB liegt vor, wenn sowohl für den Vertragsantrag (§ BGB § 145 BGB) als auch für die Annahmeerklärung (§§ BGB § 146 ff BGB) Fernkommunikationsmittel eingesetzt werden. Das ist hier der Fall. Für die Einordnung als Fernabsatzvertrag ist es dagegen rechtlich unerheblich, wie die Zahlung des Kaufpreises oder die Übereignung der Ware erfolgt. Dass der Kläger die [Uhr] persönlich im Geschäft der Beklagten abgeholt hat, ändert die rechtliche Einordnung des per Fernkommunikationsmittel geschlossenen Kaufvertrages als Fernabsatzvertrag nicht

Hedonistvor 10 m

Sehe ich problematisch. Wenn der Vertrag einzig und allein online geschlossen wurde und der Kunde vor Ort nicht mehr die Möglichkeit sich zu entscheiden, sondern wirklich einzig zur Abholung in das Geschäft kommt, dürfte auf das Kriterium der Bezahlung keine Rücksicht genommen werden. Dafür gibt das Gesetzt auch nichts her. Dort ist nur die Rede von Vertragsschluss, kein Wort von Bezahlung."Sofern der Kaufvertrag zwischen Verbraucher und Händler allein über das Internet im Rahmen eines dafür organisierten Vertriebssystems wie eBay abgeschlossen wird, besteht das Widerrufsrecht. Umstände nach Vertragsschluss wie beispielsweise die Abholung oder auch die Bezahlart spielen keine Rolle. Wird die endgültige Kaufentscheidung allerdings erst im Laden getroffen, besteht kein Widerrufsrecht."


Das finde ich jetzt spannend. Ich war immer von dem ausgegangen, was im Ursprungsposting steht.

Hä? Der Kaufvertrag wird online geschlossen ($433 BGB), wer da wem wo und wie das Geld oder die Ware übergibt (§929 BGB i.V.m. §854 BGB) ist dabei meiner Meinung nach nicht relevant.

Admin

Also die Erklärung war folgende.

Wer online bestellt, aber offline liefert und bezahlt, hat nicht bestellt, sondern reserviert. Man hat also eine Reservierung, die einem den Preis im Markt für einen gewissen Zeitraum zusichert. Der Kaufvertrag wird aber mit dem Markt geschlossen.

Rechtlich ist es vermutlich sogar so, dass es dann ein anderer Vertragspartner ist, nämlich die Offline Filiale (die ja bekanntleich eigenständig sind) und nicht der Online-Shop

Mein Kollege hatte extra noch den Filialeleiter kommen lassen, weil er das auch nicht glauben konnte/wollte.
Bearbeitet von: "admin" 14. Oktober

BinPleitevor 23 m

Genau diese Problematik habe ich vor zwei Tagen gegoogelt. Da ich mein VR im Saturn vorbestellt habe, aber dann im Markt bezahlt und abgeholt habe.Glücklicherweise möchte ich es behalten, so schlecht ist es ja gar nicht. Falls ich enttäuscht gewesen wäre, hätte ich sonst ein Problem gehabt.



Mit wem hast du denn nun einen Vertrag ? Mit Saturn vor Ort oder mit Saturn-Internet ?
Wäre inteessant wegen Garantie ?


Ich galube auch nicht das man es so pauschal sagen kann wie es in der Überschrift steht.

Was Saturn rein juristisch für ein Gebilde darstellt weiß ich nicht.

Ich kann es aber für die Firma Ulla Popken sagen.

Diese Firma ist aufgeteielt in Internetshop und Ulla Popken vor Ort.
Angeblich soll der Katalog noch wieder eine eigene Schiene sein.
Lagerverkauf ist noch einmal einganz anderes Thema.

Die Geschäfte sind Franchisenehmer d.h. selbstständige Unternehmer.
Ich kann mir im Internet Ware bestellen und vor Ort anprobieren und ggf. bezahlen.
Bei Nichtgefallen bleibt die Ware im Laden, oder wenn ich dann zuhause merke, geht sie zurück an Ulla Popken Internet !
Das weiß ich zu 100% da ich es so schon gelebt habe ! Mein Mann hat die Ware vor Ort
abgeholt und bezahlt (um Versangkosten zu sparen) . Gefiel dann doch nicht .... >> Retoure zurück
an Ulla Popken Internet !



adminvor 4 m

Also die Erklärung war folgende.Wer online bestellt, aber offline liefert und bezahlt, hat nicht bestellt, sondern reserviert. Man hat also eine Reservierung, die einem den Preis im Markt für einen gewissen Zeitraum zusichert. Der Kaufvertrag wird aber mit dem Markt geschlossen.Rechtlich ist es vermutlich sogar so, dass es dann ein anderer Vertragspartner ist, nämlich die Offline Filiale (die ja bekanntleich eigenständig sind) und nicht der Online-ShopMein Kollege hatte extra noch den Filialeleiter kommen lassen, weil er das auch nicht glauben konnte/wollte.



Das ist aber kreativ. Und wenn ich online zahle? Hab dann auch nur reserviert und an einen falschen Vertragspartner gezahlt? Und drück ich im online shop nicht "jetzt kaufen" sondern "jetzt reservieren"? Oder ist das alles im Kleingedruckten geregelt? Sehe ich persönlich höchst problematisch und rechtsmissbräuchlich.

Admin

Wenn Du online zahlst, geht das Geld an die Saturn online GmbH und wird lediglich für Dich zur Abholung im Markt bereitgestellt.

Wenn Du offline zahlst, geht das Geld an die Saturn Filiale (in Berlin z.B. Saturn Electro-Handelsgesellschaft mbH Berlin I

Aber wie @SQUASH schon schreibt, sollte ich das vielleicht relativieren nochmal. Wenn es die selbe GmbH wäre, hättest Du vermutlich recht.

Wie gesagt, ich hab das jetzt nicht rechtlich geprüft, sondern spreche nur das so aus, wie es meinem Mitarbeiter im Saturn Markt gesagt wurde. Und da ich mir selber die Frage schon öfter mal gestellt habe, fand ich die Info spannend.
Bearbeitet von: "admin" 14. Oktober

Es kommt darauf an ob man die Möglichkeit hatte die Ware im Markt noch in Augenschein zu nehmen, und daraufhin ggf. nicht den Kaufvertrag anzunehmen.

Klingt ja auch logisch für mich, nur deshalb gibt es ein Widerrufsrecht im Internet.
Man kann die Ware eben nicht Vorort anschauen und dann entscheiden ob sie einem zusagt oder eben nicht.

Ob ich nun die Möglichkeit hatte beim Saturn ein VR Set zu probieren/anzuschauen und dann zu entscheiden ob ich mein "bestelltes" kaufe, ist die entscheidente Frage.

Falls dies so gewesen wäre, hätte ich eigentlich KEIN Recht auf einen Widerrruf der Ware.

Hab es gerade mal bei Saturn durchgeklickt.
Da steht zwar
Anmerkung zur Abholung im Markt:Sie haben den Saturn Frankfurt Zeil als Abholmarkt für Ihre Bestellung gewählt.

Sie werden eine seperate Abholbestätigung per Mail erhalten, sobald ihre Bestellung im Markt für Sie abholbereit bereit liegt.

Bei Abholung im Markt ist dieser auch Ihr Vertragspartner.

aber dennoch schließe ich den Vertrag online ab, weil ich auf "jetzt kaufen" klicke.

Admin

@Hedonist Ich denke nicht, weil Du auch nicht verpflichtet bist sie abzuholen. Wenn Du sie einfahc nicht abholst, verfällt das alles und gut ist. Das wäre in meinem Rechtsverständnis kein Kaufvertrag. Ich bin allerdings auch nur erfahrener Online-Shopping Laie mit angelesenen Rechtskenntnissen
Bearbeitet von: "admin" 15. Oktober

Was ich gerade nicht verstehe :

Fernabsatzgesetz hin oder her .......ok kein kein Widerrufsrecht ABER -->> freiwilliger Umtausch mit Kassenbeleg binnen xx Tagen ..... oder stellt sich Saturn da so an ?

Oder übersehe ich da ein Unterschied ?


juristisch nicht zu haltende Auffassung.
Der Vertrag kommt Online zustande, der Verbraucher gibt mit der Bestellung sein Angebot auf den Vertragsabschluss ab.
Eine Vorenthaltung des Widerrufsrechts wäre hier grob rechtswidrig und unwirksam.

SQUASH

Was ich gerade nicht verstehe :Fernabsatzgesetz hin oder her .......ok kein kein Widerrufsrecht ABER -->> freiwilliger Umtausch mit Kassenbeleg binnen xx Tagen ..... oder stellt sich Saturn da so an ?Oder übersehe ich da ein Unterschied ?



​freiwilliges Rückgaberecht kann nach eigenen Konditionen ausgestaltet werden, für das Widerrufsrecht gelten gesetzliche, unabdingbare Vorschriften. Insbesondere muss die Ware beim Widerruf nicht mehr original verpackt sein, das kann beim freiwilligen Rücktritt aber Bedingung sein.



Und da liegt wohl der Angriffspunkt. Die Ansicht von Saturn sollte also rechtlich nicht haltbar sein.

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