Übersicht: Zölle bei Bestellungen aus Drittländern

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eingestellt am 20. Feb 2015

Wir alle kennen sie – die billigen Onlineshops aus dem Ausland. Im Internet hat man seit längerer Zeit das Gefühl, dass gerade Produkte aus China, Korea oder den USA in nahezu jeder Kategorie konkurrenzlos günstig sind. Das ist für kleinere Sachen natürlich verlockend und man kauft (ungeachtet der Qualität) mehr und mehr dazu – weil ja alles so billig ist.

Wenn die Waren dann auch noch unbeschadet daheim ankommen, kann man sich freuen. Aber Achtung, wenn man plötzlich ein hübsches Briefchen vom Zoll in der Hand hält, dort antanzen muss, weil “die Sendung hinterlegt wurde”, da es bezüglich der Rechnungs- und/oder Zollformalitäten etwas zu klären gibt.


Damit aus dem Schnäppchen keine böse – und vor allem teure – Überraschung wird, gibt es hier eine kleine informative Übersicht:


Was alle Waren gemeinsam haben: Ab einem Einkaufswert von 22 Euro fallen 19% Einfuhrumsatzsteuer an. Darüber hinaus greifen folgende Zollregelungen:


  • Bei Sendungen aus Drittländern werden Zölle generell ab einem Warenwert von 150 Euro erhoben, falls die Ware zollpflichtig ist


  • Darunter fallen nicht nur Zigaretten und Alkohol – auch Bekleidung, Fahrräder und Pflanzliche Produkte unterliegen einem Regelzollsatz
    • Beispiel: Für Schuhe aus Leder oder Fake-Leder fallen 3,50% an. Das sind bei 50 Euro immerhin 1,75 Euro Gebühren, die entrichtet werden müssen.


  • Elektronische Geräte sind oftmals zollfrei (yay!)

Ein interessantes und hilfreiches Tool zur Ermittlung von Zollsätzen aus Drittländern ist TARIC. (Leider eine sehr triste Behördenwebseite.) Aber es gibt auch ein paar Highlights zu entdecken, wie z.B.:


  • Eine “vollständige” Perücke aus China wird mit 2.20% Zollgebühren belastet. Wie sich das mit kessen Strähnchen verhält, geht aus dem System nicht hervor 564564.jpg Kunstblumen kommen immerhin auf stolze 4,70%. Also vielleicht doch eine andere Badezimmer-Deko wählen…And by the way: Kernreaktoren als funky Hingucker im Garten könnt ihr vergessen: 5,70%!

Und im Übrigen fallen Zölle und Steuern nicht nur auf Waren, sondern auch auf Versandkosten an – das sollte in jedem Falle beachtet werden. Zudem deklarieren viele Händler die zu verzollenden Waren unter 22 Euro als Geschenk (bis zu 45 Euro zollfrei), um Gebühren im Empfängerland zu vermeiden – das klappt allerdings nicht immer.

Ach ja: Rechnungen sollten IMMER außen am Paket angebracht werden, sonst ist der Warenwert (ob nun wahrheitsgemäß oder nicht) nicht vom Zoll feststellbar und ihr müsst definitiv dort aufschlagen.


Habt ihr schon mal Erfahrungen mit dem Zoll gemacht (bzw. machen müssen)? Oder kennt ihr andere Tipps und Tricks, die bei Nicht-EU-Auslandsbestellungen zu beachten sind? Dann damit bitte in die Kommentare!

Zusätzliche Info
Diverses
5 Kommentare

Man muss nicht immer selber "antanzen", sondern kann auch andere beauftragen die Sendung abzuholen. Bei mir war an einem Artikel einmal keine Rechnung außen am Paket. Da ich mehrere Sachen bestellt hatte wusste ich auch nicht genau um welches Paket es sich handelt. Daher habe ich die Paypalrechnung von allen gekauften Artikeln an den Zoll gesendet, um die Zollfreiheit nachzuweisen. Ich musste zwar das Porto für den Brief bezahlen, aber dafür habe ich mir die Anreise und Warterei beim Zollamt gespart.

Das stimmt, man kann per Post oder E-Mail die Unterlagen dem Zoll schicken, dann wird es versteuert und der Postbote verlangt dann das Geld bei der Übergabe.
Zum Thema Tabak, der hat gar keine Freigrenze, der wird ab dem 1. Gramm verzollt und versteuert. (Postweg)

Ich denke es wäre noch anzumerken, dass in Deutschland normalerweise erst ab einem Zollwert von 26,30€ Gebühren anfallen. Der folgende Guide erklärt dies alles recht sinvoll - sollte mydealz auch mal als größere Kolumne irgendwo aufsetzen

import-shopping.de/zol…gen

P.S.: Wenn man sein Paket erst später vom Zoll abholt und Lagergebühren anfallen, kann es sein, dass die Einfuhrumsatzsteuer doch zu bezahlen ist, da der vom Zoll zu erhebende Betrag die 5€ Grenze überschreitet (Lagergebühr + Einfuhrumsatzsteuer). Als "Gebührenfrei-Formel" kann man also sagen (Zollwert * 0,19 + Lagergebühr) <5€ = gebührenfrei.

Wie ich hier:
mydealz.de/div…452

erfahren durfte, liegt die tatsächliche Freigrenze höher, da Gebühren unter 5€ nicht eingefordert werden.
Ich finde, das ist eine Erwähnung im Artikel wert.

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