[Update "Anzugberatung"] Thema heute: Schuhe

Liebe mydealzer,

nachdem mich viele User darauf hingewiesen haben, dass es mehr Sinn macht, durch neue Threads auf Updates zum "Anzugsberatung"-Originalthread aufmerksam zu machen, habe ich beschlossen, künftig - wie auch bei den WHD üblich - sowohl regelmäßig Update-Threads zu erstellen, als auch die entsprechenden Beitrag im Originalthread zu sammeln.

Nach wie vor freue ich mich über jede Nachfrage und jede Diskussion, sowie über jeden User, der selbst mit seinen Erfahrungen die Community bereichern kann.

Viele Grüße
D.

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Thema heute: Schuhe

Viele User haben mich in den letzten Wochen und Monaten darum gebeten, etwas zum Thema Schuhe zu schreiben, und nun ist es endlich soweit. Meine Schuhsammlung ist zwar (noch) nicht so groß wie J. Boatengs Sneakersammung, umfasst aber doch ein paar dutzend Paare. Und ja, darunter befinden sich auch Sneaker und Joggingschuhe – am Strand trage auch ich keine Rahmengenähten.

Wenn wir von Schuhen reden, dann müssen wir auch hier zuerst einmal nach Formalitätsgrad/Anlass unterscheiden. Ich würde nie Sneaker zum Anzug tragen (alleine dass das der gängige „Style“ in der Rap/Pop-Szene ist, sollte euch zu denken geben!), aber auch keine Spectators (das sind diese witzigen zweifarbigen Schuhe, die man im Zusammenhang mit Jazz-Leuten so häufig sieht). Umgekehrt kombiniere ich auch keine schwarzen Oxfords zur Jeans.

Fangen wir also mal mit der grundsätzlichen Unterscheidung an: Oxford vs. Derby. Die Oxford-Schnürung ist eine geschlossene Schnürung, das heißt, die „Lippen“ der Schnürblätter berühren sich von Anfang bis Ende komplett. Ein Derby hat dagegen eine offene Schnürung, die „Lippen“ gehen unten auseinander. Hier gilt im Grunde genommen dasselbe wie beim Anzug: Je weiter geschlossen, desto „angezogener“ und damit desto formeller. Mit anderen Worten: Der Derby ist ein Schuh für die Freizeit.

Nächste Unterscheidung: Farbe. Grundsätzlich gehen wir hier – anders als bei Anzügen – nicht von den Grundfarben blau und grau aus, sondern von schwarz und braun. Schwarz ist hier (auch hier wieder abweichend zu Anzügen) kein no-go, sondern die richtige Wahl für alle formellen Events, bei braun kommt es darauf an. Die alten Regeln „no brown in town“ (mit Town gemeint ist damit das Tagesgeschäft) oder „no brown after six“ gelten nicht mehr uneingeschränkt, heutzutage sieht man (m.E. zu recht) viel dunkelbraune oder kastanien-/oxbloodfarbene Oxfords auch in formellen Branchen wie Unternehmensberatung und Großkanzleien. Denn diese Farben passen äußerst gut zu dunkelblau, gerade oxblood ist der „Geheimtipp“ für auffällige, aber doch klassische Schuhe (hellbraun/cognac zu mittelblau sollte dagegen eher der Blogger-Szene oder italienischen Fashionistas überlassen bleiben, gehört jedenfalls nicht ins Büro, außer ihr seid in der kreativen Branche unterwegs!). Zu grauem Anzug würde ich dagegen ausschließlich schwarze Schuhe tragen. Alle anderen Farben sind für Schuhe „modefarben“: Grau, blau, grün, rot trage ich nur in der Freizeit – in Kombination mit Jeans oder Chinos sind schwarze Schuhe nämlich nicht ganz optimal (bei Chinos sieht das wegen dem starken Kontrast ganz furchtbar aus, bei dunklen Jeans dagegen je nach Schuh evtl. gerade noch verkraftbar).

Next: Spitze und Lochmuster. Je spitzer der Schuh ist, desto informeller ist er. Und je mehr Löcher, desto sportlicher. Bei Spitze und Lochmuster unterscheidet man zwischen plain/captoe, quarter brogue, half brogue und full brogue. Plain ist der Schuh (wie zu erwarten), wenn die Oberfläche komplett glatt ist, ein Captoe hat eine glatte Kappe vorne (man denke an Chucks ;)), die beim Schuheputzen auf Hochglanz gebracht wird (der Rest des Schuhes nicht, denn der ist immer in Bewegung, so dass das Wachs brechen würde). Die verschiedenen Brogue-Arten stehen für den unterschiedlichen Umfang des Lochmusters (Full brogues haben z.B. an der Ferse und an der Spitze „Broguing“.

Material: So leid es mir tut, am Leder geht kein Weg vorbei. Kalbsleder für normale Schuhe, Pferdeleder (Cordovan), wenn ihr euch etwas besonderes gönnen wollt. Letzteres hat die Eigenschaft, sehr viel Fett in sich zu speichern, so dass bei Kratzern mit einfachen Mitteln das Leder aus sich heraus „heilen“ kann. Die Lederqualität spielt beim Schuh natürlich eine entscheidende Rolle: Bei Deichmann/Aldi/Bugatti/etc.-Schnürers ist z.B. das Leder oft fast papierdünn und so trocken, dass sich sofort überall Knickfalten bilden. Ein gutes Leder ist „durchgefärbt“ und nicht „deckgefärbt“, so dass der Schuh nicht sofort schlimm aussieht, sobald auch nur ein Kratzer drin ist. „Polished Leather“ ähnelt einem Lackschuh: Hier ist eine Beschichtung aufgebracht, was den Schuh in unberührtem Zustand sehr hübsch aussehen lässt, aber bei Kratzern leider irreparabel ist (bei „normalem“ Leder könnt ihr dagegen mit Schuhcreme und Wachs reparieren).

Glatt vs. Rauleder: Auch hier gilt die Unterscheidung nach Formalitätsgrad. Glatte Schuhe sind formeller, Rauleder informeller. Pflegemäßig geben sich die Arten dagegen nicht so viel: Glatte Schuhe kann man mit Creme und Wachs behandeln, bei Rauleder darf man nur imprägnieren, dafür sieht man aber auch Kratzer nicht so schnell.

Leisten: Die Form des Schuhs bestimmt sich nach dem Leisten, auf den das Leder gespannt wird („Schuster bleib bei deinen Leisten“). Manche Leisten sind für breite Fersen gemacht, andere für schmale, dann gibt es welche mit schmalen Ballen, hohem Spann usw. Ebenso wie nicht jeder Anzug jedem gleich gut passt, passt auch nicht jeder Leisten jedem. Hier ist ausprobieren angesagt. Probiert so viele Schuhe wie möglich an, lauft mindestens 10 Minuten damit im Geschäft herum und vertraut eurem Gefühl. Ihr solltet weder eingequetscht sein noch lose herumwackeln; idealerweise sitzt der Schuh fest am Fuß und drückt allenfalls leicht an den Seiten (hier wird sich der Schuh noch weiten). Achtet insbesondere darauf, dass nicht zu viel Luft über dem Spann bleibt (sonst bilden sich schnell extrem große Gehfalten) – die Schnürung sollte beim Oxford nicht komplett zugehen, sondern ein leichtes V bilden.

Sohle: Möglich sind Gummi oder Leder, oder auch Gummi auf Leder. Gummi ist rutschfester und beständiger, Ledersohlen sehen schöner aus (manche behaupten, sie seien atmungsaktiver, daran glaube ich aber nicht wirklich). Wichtig: Wenn ich von Sohle spreche, meine ich die Untersohle, also die, die Kontakt zum Boden hat. Die Innensohle sollte dagegen natürlich IMMER aus Leder sein, weil die quasi direkten Kontakt zu eurem Fuß hat und daher Schweiß aufsaugen können muss. Ich selbst trage im Winter ausschließlich dicke Gummisohlen (Dainite-Sohle, Commando-Sohle), im Sommer wechsle ich zwischen reinen Ledersohlen und Ledersohlen mit Gummischutzsohle (macht euer Schuster für 15-25 Euro, je nach Qualität). Reine Ledersohlen verschleißen natürlich schneller und müssen dann irgendwann ausgewechselt werden, wofür wieder zwischen 30-100 Euro (je nach Qualität) anfallen. Falls ihr euch für Ledersohlen entscheidet, müsst ihr diese unbedingt auf einem trockenen, nicht zu rauen Straßenbelag einlaufen, damit sich das Leder verdichtet und „stabil wird“. Geht ihr mit der nagelneuen weichen Ledersohle im Regen auf spitzem Schotter spazieren, habt ihr sofort tiefe Kratzer/Schnitte drin, die die Sohle komplett ruinieren können. Außerdem sollte man glatte Fliesen mit neuen Sohlen meiden, wenn man Rutschpartien vermeiden möchte.

Rahmengenäht oder geklebt: Im Zusammenhang mit hochwertigen Schuhen sprechen viele sofort von „rahmengenäht“. Woran liegt das? Mit „rahmengenäht“ oder „goodyear welted“ bezeichnet man ein bestimmtes Verfahren, in dem der Schuh über einen Rahmen mit der Sohle verbunden wird. Dabei wird auch ein Korkbett in den Schuh integriert, wodurch ihr (wie bei Birkenstock-Latschen) mit der Zeit einen genau auf euren Fuß angepassten Schuh erhaltet. Da es deutlich günstiger ist, an einen Schuh einfach eine Gummisohle zu kleben, erfolgt das Goodyear-Verfahren in der Regel nur bei teureren, qualitativ hochwertigeren Schuhen. Klar sollte eben auch sein: Kleber hält nicht ewig, so dass sich die Sohle irgendwann vom Rest lösen wird – und Nachkleben ist zwar möglich, hält aber in der Regel nochmal kürzer als der Erstversuch. Und: Weil die Hersteller wissen, dass die Klebeverbindung dem ganzen Konstrukt ein recht kurzes Leben verspricht, werden eben auch die restlichen Materialien/Verarbeitungen dementsprechend gewählt.
Wie der Name schon sagt, erkennt man dagegen rahmengenähte Schuhe an einem mehr oder weniger deutlichen „Rahmen“ um den Schuh herum, auf dem die Einstichnähte zu erkennen sind. Seht ihr eine Doppelnaht, dann handelt es sich um das „stormwelted“-Verfahren, das bei wasserdichten Schuhen für den Außeneinsatz (Schuhe für den altenglischen Landadel, der auch auf seinen Spaziergängen über die winterlichen Landgüter nicht auf gute Schuhe verzichten will ;)) zum Einsatz kommt. Schließlich gibt es das „Blake“-Verfahren, bei dem auf einen Rahmen (und auf das Korkbett im Inneren) verzichtet wird, und die den Schuh mit der Sohle verbindende Naht im Innern des Schuhs verläuft – dieses kommt bei leichten, sommerlichen Schuhen zum Einsatz, also dort, wo ein dicker Rahmen und ein dichtes Fußbett fehl am Platze wären. Bei diesen Schuhen könnt ihr die Naht erfühlen, wenn ihr die Hand in den Schuh steckt.
Zusammenfassend: Es ist nicht unmöglich, einen hochwertigen Schuh mit einer geklebten Sohle herzustellen. Macht aber niemand, weil ab einer bestimmten Lederqualität eben auch eine Vernähung erwartet wird. Insofern könnt ihr bei rahmengenähten Schuhen grundsätzlich auch davon ausgehen, dass das Leder nicht ganz schlecht ist.

Welche Schuhe brauche ich?
– Hier lautet meine Antwort wie bei den Anzügen: Es kommt auf das Einsatzgebiet an. Seid ihr in einer konservativen Branche unterwegs und müsst fünf oder gar sechs Tage die Woche im dunkelblauen/grauen Anzug zur Arbeit, dann solltet ihr mindestens zwei Paar schwarze (oder oxblood-farbene) Cap-Toe-Oxfords besitzen (bei häufigen Außeneinsätzen gern auch mit Gummischutzsohle). Denn auch ein guter Schuh muss sich erholen können: Gönnt euren guten Schuhen mindestens einen Tag Pause zwischen den Tragetagen, ansonsten zerstören Belastung, Schweiß und Schmutz schnell auch das beste Leder. Dagegen seid ihr in „lockereren“ Jobs auch gut mit einem braunen quarter-brogue Oxford oder Derby (egal ob Glatt- oder Rauleder) gut angezogen... (Fortse

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Link zum Original-/Sammelthread: Hier entlang!

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Thema heute: Schuhe

Viele User haben mich in den letzten Wochen und Monaten darum gebeten, etwas zum Thema Schuhe zu schreiben, und nun ist es endlich soweit. Meine Schuhsammlung ist zwar (noch) nicht so groß wie J. Boatengs Sneakersammung, umfasst aber doch ein paar dutzend Paare. Und ja, darunter befinden sich auch Sneaker und Joggingschuhe – am Strand trage auch ich keine Rahmengenähten.

Wenn wir von Schuhen reden, dann müssen wir auch hier zuerst einmal nach Formalitätsgrad/Anlass unterscheiden. Ich würde nie Sneaker zum Anzug tragen (alleine dass das der gängige „Style“ in der Rap/Pop-Szene ist, sollte euch zu denken geben!), aber auch keine Spectators (das sind diese witzigen zweifarbigen Schuhe, die man im Zusammenhang mit Jazz-Leuten so häufig sieht). Umgekehrt kombiniere ich auch keine schwarzen Oxfords zur Jeans.

Fangen wir also mal mit der grundsätzlichen Unterscheidung an: Oxford vs. Derby. Die Oxford-Schnürung ist eine geschlossene Schnürung, das heißt, die „Lippen“ der Schnürblätter berühren sich von Anfang bis Ende komplett. Ein Derby hat dagegen eine offene Schnürung, die „Lippen“ gehen unten auseinander. Hier gilt im Grunde genommen dasselbe wie beim Anzug: Je weiter geschlossen, desto „angezogener“ und damit desto formeller. Mit anderen Worten: Der Derby ist ein Schuh für die Freizeit.

Nächste Unterscheidung: Farbe. Grundsätzlich gehen wir hier – anders als bei Anzügen – nicht von den Grundfarben blau und grau aus, sondern von schwarz und braun. Schwarz ist hier (auch hier wieder abweichend zu Anzügen) kein no-go, sondern die richtige Wahl für alle formellen Events, bei braun kommt es darauf an. Die alten Regeln „no brown in town“ (mit Town gemeint ist damit das Tagesgeschäft) oder „no brown after six“ gelten nicht mehr uneingeschränkt, heutzutage sieht man (m.E. zu recht) viel dunkelbraune oder kastanien-/oxbloodfarbene Oxfords auch in formellen Branchen wie Unternehmensberatung und Großkanzleien. Denn diese Farben passen äußerst gut zu dunkelblau, gerade oxblood ist der „Geheimtipp“ für auffällige, aber doch klassische Schuhe (hellbraun/cognac zu mittelblau sollte dagegen eher der Blogger-Szene oder italienischen Fashionistas überlassen bleiben, gehört jedenfalls nicht ins Büro, außer ihr seid in der kreativen Branche unterwegs!). Zu grauem Anzug würde ich dagegen ausschließlich schwarze Schuhe tragen. Alle anderen Farben sind für Schuhe „modefarben“: Grau, blau, grün, rot trage ich nur in der Freizeit – in Kombination mit Jeans oder Chinos sind schwarze Schuhe nämlich nicht ganz optimal (bei Chinos sieht das wegen dem starken Kontrast ganz furchtbar aus, bei dunklen Jeans dagegen je nach Schuh evtl. gerade noch verkraftbar).

Next: Spitze und Lochmuster. Je spitzer der Schuh ist, desto informeller ist er. Und je mehr Löcher, desto sportlicher. Bei Spitze und Lochmuster unterscheidet man zwischen plain/captoe, quarter brogue, half brogue und full brogue. Plain ist der Schuh (wie zu erwarten), wenn die Oberfläche komplett glatt ist, ein Captoe hat eine glatte Kappe vorne (man denke an Chucks ;)), die beim Schuheputzen auf Hochglanz gebracht wird (der Rest des Schuhes nicht, denn der ist immer in Bewegung, so dass das Wachs brechen würde). Die verschiedenen Brogue-Arten stehen für den unterschiedlichen Umfang des Lochmusters (Full brogues haben z.B. an der Ferse und an der Spitze „Broguing“.

Material: So leid es mir tut, am Leder geht kein Weg vorbei. Kalbsleder für normale Schuhe, Pferdeleder (Cordovan), wenn ihr euch etwas besonderes gönnen wollt. Letzteres hat die Eigenschaft, sehr viel Fett in sich zu speichern, so dass bei Kratzern mit einfachen Mitteln das Leder aus sich heraus „heilen“ kann. Die Lederqualität spielt beim Schuh natürlich eine entscheidende Rolle: Bei Deichmann/Aldi/Bugatti/etc.-Schnürers ist z.B. das Leder oft fast papierdünn und so trocken, dass sich sofort überall Knickfalten bilden. Ein gutes Leder ist „durchgefärbt“ und nicht „deckgefärbt“, so dass der Schuh nicht sofort schlimm aussieht, sobald auch nur ein Kratzer drin ist. „Polished Leather“ ähnelt einem Lackschuh: Hier ist eine Beschichtung aufgebracht, was den Schuh in unberührtem Zustand sehr hübsch aussehen lässt, aber bei Kratzern leider irreparabel ist (bei „normalem“ Leder könnt ihr dagegen mit Schuhcreme und Wachs reparieren).

Glatt vs. Rauleder: Auch hier gilt die Unterscheidung nach Formalitätsgrad. Glatte Schuhe sind formeller, Rauleder informeller. Pflegemäßig geben sich die Arten dagegen nicht so viel: Glatte Schuhe kann man mit Creme und Wachs behandeln, bei Rauleder darf man nur imprägnieren, dafür sieht man aber auch Kratzer nicht so schnell.

Leisten: Die Form des Schuhs bestimmt sich nach dem Leisten, auf den das Leder gespannt wird („Schuster bleib bei deinen Leisten“). Manche Leisten sind für breite Fersen gemacht, andere für schmale, dann gibt es welche mit schmalen Ballen, hohem Spann usw. Ebenso wie nicht jeder Anzug jedem gleich gut passt, passt auch nicht jeder Leisten jedem. Hier ist ausprobieren angesagt. Probiert so viele Schuhe wie möglich an, lauft mindestens 10 Minuten damit im Geschäft herum und vertraut eurem Gefühl. Ihr solltet weder eingequetscht sein noch lose herumwackeln; idealerweise sitzt der Schuh fest am Fuß und drückt allenfalls leicht an den Seiten (hier wird sich der Schuh noch weiten). Achtet insbesondere darauf, dass nicht zu viel Luft über dem Spann bleibt (sonst bilden sich schnell extrem große Gehfalten) – die Schnürung sollte beim Oxford nicht komplett zugehen, sondern ein leichtes V bilden.

Sohle: Möglich sind Gummi oder Leder, oder auch Gummi auf Leder. Gummi ist rutschfester und beständiger, Ledersohlen sehen schöner aus (manche behaupten, sie seien atmungsaktiver, daran glaube ich aber nicht wirklich). Wichtig: Wenn ich von Sohle spreche, meine ich die Untersohle, also die, die Kontakt zum Boden hat. Die Innensohle sollte dagegen natürlich IMMER aus Leder sein, weil die quasi direkten Kontakt zu eurem Fuß hat und daher Schweiß aufsaugen können muss. Ich selbst trage im Winter ausschließlich dicke Gummisohlen (Dainite-Sohle, Commando-Sohle), im Sommer wechsle ich zwischen reinen Ledersohlen und Ledersohlen mit Gummischutzsohle (macht euer Schuster für 15-25 Euro, je nach Qualität). Reine Ledersohlen verschleißen natürlich schneller und müssen dann irgendwann ausgewechselt werden, wofür wieder zwischen 30-100 Euro (je nach Qualität) anfallen. Falls ihr euch für Ledersohlen entscheidet, müsst ihr diese unbedingt auf einem trockenen, nicht zu rauen Straßenbelag einlaufen, damit sich das Leder verdichtet und „stabil wird“. Geht ihr mit der nagelneuen weichen Ledersohle im Regen auf spitzem Schotter spazieren, habt ihr sofort tiefe Kratzer/Schnitte drin, die die Sohle komplett ruinieren können. Außerdem sollte man glatte Fliesen mit neuen Sohlen meiden, wenn man Rutschpartien vermeiden möchte.

Rahmengenäht oder geklebt: Im Zusammenhang mit hochwertigen Schuhen sprechen viele sofort von „rahmengenäht“. Woran liegt das? Mit „rahmengenäht“ oder „goodyear welted“ bezeichnet man ein bestimmtes Verfahren, in dem der Schuh über einen Rahmen mit der Sohle verbunden wird. Dabei wird auch ein Korkbett in den Schuh integriert, wodurch ihr (wie bei Birkenstock-Latschen) mit der Zeit einen genau auf euren Fuß angepassten Schuh erhaltet. Da es deutlich günstiger ist, an einen Schuh einfach eine Gummisohle zu kleben, erfolgt das Goodyear-Verfahren in der Regel nur bei teureren, qualitativ hochwertigeren Schuhen. Klar sollte eben auch sein: Kleber hält nicht ewig, so dass sich die Sohle irgendwann vom Rest lösen wird – und Nachkleben ist zwar möglich, hält aber in der Regel nochmal kürzer als der Erstversuch. Und: Weil die Hersteller wissen, dass die Klebeverbindung dem ganzen Konstrukt ein recht kurzes Leben verspricht, werden eben auch die restlichen Materialien/Verarbeitungen dementsprechend gewählt.
Wie der Name schon sagt, erkennt man dagegen rahmengenähte Schuhe an einem mehr oder weniger deutlichen „Rahmen“ um den Schuh herum, auf dem die Einstichnähte zu erkennen sind. Seht ihr eine Doppelnaht, dann handelt es sich um das „stormwelted“-Verfahren, das bei wasserdichten Schuhen für den Außeneinsatz (Schuhe für den altenglischen Landadel, der auch auf seinen Spaziergängen über die winterlichen Landgüter nicht auf gute Schuhe verzichten will ;)) zum Einsatz kommt. Schließlich gibt es das „Blake“-Verfahren, bei dem auf einen Rahmen (und auf das Korkbett im Inneren) verzichtet wird, und die den Schuh mit der Sohle verbindende Naht im Innern des Schuhs verläuft – dieses kommt bei leichten, sommerlichen Schuhen zum Einsatz, also dort, wo ein dicker Rahmen und ein dichtes Fußbett fehl am Platze wären. Bei diesen Schuhen könnt ihr die Naht erfühlen, wenn ihr die Hand in den Schuh steckt.
Zusammenfassend: Es ist nicht unmöglich, einen hochwertigen Schuh mit einer geklebten Sohle herzustellen. Macht aber niemand, weil ab einer bestimmten Lederqualität eben auch eine Vernähung erwartet wird. Insofern könnt ihr bei rahmengenähten Schuhen grundsätzlich auch davon ausgehen, dass das Leder nicht ganz schlecht ist.

Welche Schuhe brauche ich?
– Hier lautet meine Antwort wie bei den Anzügen: Es kommt auf das Einsatzgebiet an. Seid ihr in einer konservativen Branche unterwegs und müsst fünf oder gar sechs Tage die Woche im dunkelblauen/grauen Anzug zur Arbeit, dann solltet ihr mindestens zwei Paar schwarze (oder oxblood-farbene) Cap-Toe-Oxfords besitzen (bei häufigen Außeneinsätzen gern auch mit Gummischutzsohle). Denn auch ein guter Schuh muss sich erholen können: Gönnt euren guten Schuhen mindestens einen Tag Pause zwischen den Tragetagen, ansonsten zerstören Belastung, Schweiß und Schmutz schnell auch das beste Leder. Dagegen seid ihr in „lockereren“ Jobs auch gut mit einem braunen quarter-brogue Oxford oder Derby (egal ob Glatt- oder Rauleder) gut angezogen... (Fortse

Super! Danke

Lloyd

Verfasser

... in der Freizeit ist braun ohnehin die richtige Wahl (gerne auch hellere Töne – da einfach nach Geschmack wählen); auch die rustikaleren Varianten wie Norweger oder Longwing gehören in diese Kategorie. Würde ich also eine allround-Komplettausstattung für den Anfang zusammenstellen, dann würde ich sagen: 1. Cap-Toe Oxford schwarz glatt, 2. Quarter Brogue Oxford oxblood glatt, 3. Norweger mittelbraun Rauleder.

Bezugsquellen:

Schuhmarken gibt es wie Sand am Meer. Im Folgenden findet ihr ein paar Marken, die ich bereits getestet habe – gut möglich, dass es (gerade in Spanien) einige gibt, die ich noch nicht kenne, die aber dennoch gute Schuhe herstellen.

„Billig“-Klasse (ca. 100-150 Euro):

Immer wieder stößt man – auch bei Mydealz – auf Gordon & Bros. Der Hersteller verkauft Restgrößen auch günstig über ebay. Die Qualität ist meiner Meinung nach so, wie man es bei billigen rahmengenähten erwarten kann: Besser als viele geklebte (allein aufgrund der Machart, die ja ein Korkfußbett erzwingt), aber in Sachen Leder und Verarbeitung sowie Leistenform (m.E. sehr grobschlächtig) nicht besonders beeindruckend.

Einsteiger-/Mittelklasse (150-300 Euro):

Hier sind zunächst die deutschen Marken Langer&Messmer aus Heidelberg sowie Oliver Grey aus Hamburg zu nennen. Erstere lässt die Schuhe nach eigenem Konzept in Italien fertigen; hier findet man eine große Auswahl an Leisten kombiniert mit gutem Leder und ordentlicher Verarbeitung. Leider ist nur selten etwas für schmale Füße dabei; die meisten Leisten sind eher für einen „Normalfuß“/ breiten Fuß ausgelegt. Zweimal im Jahr gibt es einen Sale, bei dem ca. 30% auf die meisten Modelle im Onlineshop sowie im Ladengeschäft gewährt werden – was durchaus interessante Preise ergibt. Übrigens: Die Schuhe von L&M fallen eher groß aus; ich bestelle dort immer ½-1 Größe kleiner. Oliver Grey ist quasi die norddeutsche Variante: Auch die beiden Hamburger Läden bieten ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis an; mit den Leisten konnte ich mich persönlich aber nicht so recht anfreunden. Beide Läden bieten übrigens nicht nur die eigenen Schuhe an, sondern auch (überwiegend) Fremdfabrikate, wie zum Beispiel…

… die „großen Ausländer“: Scarosso (Italien), Shoepassion (Spanien), Meermin (Spanien), Prime Shoes (Italien, Untermarke: Hamlet), Loake (England), Cordwainer (Spanien). Mit all diesen Marken habe ich schon gute Erfahrungen gemacht – viele davon lassen sich auch regelmäßig bei Bestsecret finden. Dennoch gilt auch hier: Wenn ihr keine hohe Retourenquote riskieren wollt, probiert am Besten den entsprechenden Leisten mal im Schuhgeschäft aus. Die Größe allein ist da wenig aussagekräftig (zumal das englische und das deutsche Größensystem ja erheblich voneinander abweicht und auch von Hersteller zu Hersteller variiert). Meermin ist eine Art „Geheimtipp“ in der Szene: Die Spanier sind verhältnismäßig günstig, allerdings haben sie keine Filiale hier in Deutschland, so dass man sich die entsprechenden Schuhe aus Spanien schicken lassen muss. Neben der „normalen“ Produktpallette gibt es auch etwas, dass sich „MTO“ (Made to Order) nennt: Die Modelle werden auf der Seite „beworben“ und erst produziert, wenn sich genug Zusagen/Bestellungen finden. Mein Tipp: Greift beim „Museum Calf“ zu und lasst besser die Finger vom – qualitativ nicht sehr überzeugenden – Rauleder. Der „Vorteil“ bei den spanischen Schuhmachern ist der oft etwas filigranere, schmalere Schnitt gegenüber etwa den Engländern oder Ungarn. So sind z.B. Loake Schuhe oftmals etwas klobiger/klassischer geschnitten. Wenn ihr hier zugreifen wollt, dann am Besten bei der „Loake 1880“-Linie, deren Qualität doch noch einmal deutlich über den „normalen“ Loake-Modellen liegt.

Oberklasse (> 300 Euro):

Wenn ihr euch „richtig etwas gönnen“ wollt, schaut, ob ihr bei Lazlo Vass (Ungarn) oder Allen Edmonds (US) fündig werdet. Ich persönlich bin nicht bereit, derartige Summen für ein einziges Paar Schuhe auszugeben, muss aber zugeben, dass die Leisten teilweise schon beeindruckend sind und auch Lederqualität und Verarbeitung faszinierend sind.


So, das war es dann auch schon – schön dass ihr bis hierhin durchgehalten habt! Demnächst wird es wohl auch noch einen Beitrag zum (sehr wichtigen) Thema Schuhpflege geben.

Viele Grüße
D.

Die Mittelklasse Angebote hast du aber schon länger nicht mehr durchgeschaut oder? Im Preisbereich 150 € ist da schon länger nichts mehr zu finden, leider, ich trage meine LMs schon viel zu lange auf, sind wirklich top.

Verfasser

FyInfo

Die Mittelklasse Angebote hast du aber schon länger nicht mehr durchgeschaut oder?



Böse Unterstellung X). Ich habe jetzt bewusst nicht zwischen Einsteiger- und Mittelklasse getrennt, weil die meisten Marken in beiden Segmenten Schuhe haben. Bei L&M findet man z.B. Freizeitschuhe (Bootsschuhe, Loafer etc.) für ca. 150 Euro (Regulärpreis), die Businessschuhe liegen glaube ich bei leicht über 200 Euro ohne Sale. Dagegen hatte ich bei Oliver Grey vor zwei Monaten durchaus einige Paare für um die 150 Euro gesehen; bei Prime Shoes sowieso.

Danke

jetzt erst auf den hauptthread aufmerksam geworden, geile sache!

mich wundert jedoch, dass du kein wort über die ganzen neuen, aus dem boden sprießenden internetläden verloren hast, die maßgeschneiderte schuhe mit höchster qualität (und entsprechendem preis) bewerben.

sind die so scheiße dass man darüber nicht sprechen braucht?

Puhh, ein Glück bin ich Maschinenbauer. Hier kann man sich schon glücklich schätzen, wenn die gesamte Abteilung mit passender Gürtel- zu Schuhfarbe rumläuft.

Verfasser

schnellerer

jetzt erst auf den hauptthread aufmerksam geworden, geile sache! mich wundert jedoch, dass du kein wort über die ganzen neuen, aus dem boden sprießenden internetläden verloren hast, die maßgeschneiderte schuhe mit höchster qualität (und entsprechendem preis) bewerben. sind die so scheiße dass man darüber nicht sprechen braucht?



Naja, ich war schon bei dem ein oder anderen Maßschuster und habe mir dort die Produktion angeschaut. Da wird dann ein Holzleisten erstellt, der an allen wichtigen Punkten exakt deine Fußanatomie berücksichtigt - insofern halte ich da eine Online-Bestellung für genauso problematisch/sinnfrei wie bei Anzügen Online-MTM/Bespoke. Konkrete eigene Erfahrungen habe ich damit aber nicht gemacht; da ist mir einfach das Risiko zu hoch, viel Geld komplett in den Sand zu setzen, zumal es bei solchen "maßgeschneiderten" Sachen ja kein Widerrufsrecht gibt.

Was ist den von Budapestern zu halten? Und wann kann man diese tragen? Formelle Anlässe, Büro z.B.? Farbe? Braun zu Dunkelblauem Anzug z.B.?

Würde mich über eine Einladung von BS freuen.

Verfasser

El_Grande

Was ist den von Budapestern zu halten? Und wann kann man diese tragen? Formelle Anlässe, Büro z.B.? Farbe? Braun zu Dunkelblauem Anzug z.B.?



Budapester sind mit ihrem starken Broguing (Lochmuster) und ihrer robusten Machart als eher informell einzustufen - klassischerweise sogar zu Jeans oder sonstigen ländlichen Kleidung. Klar: Im Winter kannst du auch mal zu einem Anzug aus schwerem Tuch mit klarer Struktur (Birdseye etc.) mal einen Budapester ausprobieren, wie du richtig angenommen hast dann aber auf jeden Fall braun, nicht schwarz. Der schwarze Budapester ist nämlich wegen seiner Farbe (schwarz = formell) und Art (Budapester = informell) ein Widerspruch in sich.

Übrigens: Inzwischen gibt es auch immer mehr Schuhmacher, die den Budapester von seinem ursprünglichen Gedanken entfernen und statt klobigen, robusten Schuhen schmale, zierliche Leisten anbieten. Falls du einen solchen Schuh meinst: Derartige "Full Brogue Derbys/Oxfords" kann man natürlich auch zum Anzug tragen, von einem echten Budapester würde ich da aber eher nicht mehr sprechen. Dass an dem Schuh dann mehr Löcher sind als "eigentlich richtig", merkt außerhalb eines gewissen Zirkels dann eh kein Mensch mehr.

Weltklasse! Wenn jetzt noch das ein oder andere Bild dabei wäre, wäre es noch etwas besser! Vielen Dank für die Mühe!

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