[Zusammenfassung] Quellen und Tipps für hochwertige Anzüge, Hemden, Chinos etc.

Liebe myDealzer,

nachdem mich wiederholt User um Rat bezüglich Anzügen, Hemden und Co. gebeten haben, erstelle ich mal diesen Sammelthread, um meine Erfahrungen mit euch zu teilen.

Wichtig ist mir, dass es hier nicht um "Mode" geht, wie ihr sie in der GQ findet, also hautenge Hemden; Sakkos, die auf Gürtelhöhe enden und Sneaker mit 4cm Gummisohle. Im Fokus steht hier vielmehr die "klassische" Herrengarderobe. Zwischen diesen beiden Themenkomplexen besteht ein himmelweiter Unterschied; dass ich über ersteres nichts schreibe, liegt schlicht daran, dass ich damit nicht wirklich etwas anfangen kann.

Im ersten Post sammle und editiere ich fortlaufend Quellen und Hinweise. Ihr seid natürlich gerne zum Fragen und Diskutieren eingeladen.

Beliebteste Kommentare

Anzüge

Tipps:
- Farbe - Die Farbe schwarz ist die formellste aller Farben. Deshalb findet man sie in der klassischen Herrengarderobe nur bei Teilen wie dem Frack oder dem Smoking. Anlässe sind hochformelle Angelegenheiten wie Abendveranstaltungen (dazu dann der schwarze Smoking) oder Beerdigungen. Im normalen Tagesgeschäft hat die Farbe schwarz nichts verloren, auch wenn man in Deutschland viele Geschäftsleute in schwarzen Anzügen umherlaufen sieht. Wenn ihr zu einem sicheren „Allrounder“ greifen wollt, dann wählt blau (am besten navy) oder mittel- bis dunkelgrau.
- „cover your ass“ – das Sakko eines Anzugs sollte immer den Hintern bedecken, und sei er noch so groß.
- die Schultern müssen passen – Ärmellänge, Taillierung und Nackenfalten sind vom Änderungsschneider korrigierbar, die Schulterbreite ist es nicht. Wenn die nicht passt, könnt ihr mit dem Anzug nichts anfangen. Dass die Schultern zu groß sind, merkt man, wenn man sich mit der Schulter zuerst gegen eine Wand lehnt. Trifft die Sakkoschulter vor der natürlichen Schulter auf, dann gebt den Anzug zurück.
- Revers – ein breites Gesicht passt mit einem schmalen Revers oft nicht zusammen.
- Stoff – Die „Super“-Zahl allein sagt nicht alles. Achtet darauf, dass der Stoff keine Polyesterbeimischung enthält, wenn ihr darin nicht schwitzen wollt wie Schweine. Baumwolle und Leinen sind typische Sommerstoffe. Sie knittern leichter, sind aber wegen ihrer groben Struktur auch sehr luftdurchlässig.
- Knöpfe - Ein "Standard-"Anzug hat zum Schließen eine Reihe mit zwei Knöpfen. Tatsächlich wird aber nur der oberste Knopf geschlossen, der untere bleibt offen. Zu einem Sakko mit drei Knöpfen könnt ihr greifen, wenn ihr besonders groß seid. Der unterste Knopf wird hier nie geschlossen, in der Regel müsst ihr beide oberen schließen (Ausnahme: Das Revers "rollt" über das obere Knopfloch, dann habt ihr ein "getarntes" Zweiknopfsakko erwischt). Zweireiher stehen euch insbesondere dann, wenn ihr bei den Nutella-Deals fleißig zugeschlagen habt und etwas älter seid, ansonsten könntet ihr durchaus etwas seltsam angeschaut werden.
- Ärmellänge - Wenn die Ärmel länger sind als der Ansatz des Daumenknochens, dann sind sie zu lang. Wie viel kürzer sie sein dürfen, ist absolute Geschmacksfrage. Die Manschette des Hemdes darf aber gerne herausschauen - schon allein um zu zeigen, dass man trotz der Hitze nicht ins Kurzarm-Hemd-Fettnäpfchen getreten ist X).

Bezugsquellen:
- Suitsupply – der Geheimtipp, der wohl bald keiner mehr ist. Niederländisches Label mit hervorragendem Preis-/Leistungsverhältnis > Achtung: Ihr sollt in den Anzügen bitte, bitte nicht so aussehen wie die Models im Shop. Die tragen nämlich den Anzug mindestens (!) eine Größe zu klein, um das ganze "stylish" wirken zu lassen.
- Windsor Sartorial – im UVP deutlich teurer als Suitsupply, die Qualität ist vergleichbar.
- Bestsecret – beim Privatshoppingclub gibt es häufig qualitativ hochwertige Markenware etwa im Suitsupply-Preisniveau. Die genauen Marken dürfen hier nicht genannt werden.
Krawatten (27.05.2015)
- Material – Wenn ihr euch nicht sicher seid, greift zu Seide. Polyester ist auch hier tabu, es sei denn, ihr arbeitet bei einem Discounter und habt keine andere Wahl. Oder ihr braucht wegen den ständigen Steak- und Rotweinflecken was abwaschbares – dann seid ihr aber mit einem Lätzchen besser dran. Gerade im Sommer ist auch Baumwolle und Leinen möglich, im Winter auch Wolle oder Kaschmir. Denkt bei den ersten beiden wieder an die Knittergefahr. Mit Seide seid ihr auf der sicheren Seite. Noch ein Hinweis: Auch bei Seide gibt es fies glänzende Krawatten, die aussehen, als wären sie aus Polyester. Diese Teile gilt es natürlich zu vermeiden. Der Binder sollte allenfalls matt (!) schimmern und sich „trocken“ anfühlen. Neuerdings tauchen vermehrt Strickkrawatten aus Baumwolle mit geradem Ende (also ohne Dreiecksspitze) auf. Die sollten nur zu legeren Outfits getragen werden. Merke: Je grober die Struktur, desto legerer das Outfit.
- Knoten – Nehmt lieber einen Four-in-hand als einen (doppelten) Windsor. Letzerer sieht sehr nach bravem Schulbuben aus, dem der Papa noch den Knoten gebunden hat.
- Farbe – Auf der sicheren Seite seid ihr mit bordeaux, weil das sowohl zu grauen, als auch zu blauen Anzügen passt. Auch mit dunkelblau macht ihr wenig falsch, solltet das dann aber nicht zu blauen Anzügen kombinieren (entweder es beißt sich oder es sieht einfach langweilig aus). Schwarze Krawatten sind für Nicht-Bestatter genauso tabu wie schwarze Anzüge. Grau ist die formellste Farbe und wird daher oft auf Hochzeiten (als Bräutigam, nicht als Gast!) getragen. Greift am Anfang lieber zu dunkleren/mittleren Tönen, damit die Krawatte nicht leuchtend hervorsticht.
- Muster – einfarbig (uni) ist die sicherste, aber auch die langweiligste Variante. Wenn schon uni, dann am Besten mit einer Struktur, also z.B. Grenadine-Seide (einfach mal googlen. Schauen aus wie Strickkrawatten, sind aber gewebt). Kleine (!) Blümchen gehen immer, auch Diagonal-Streifen („Repp-Tie“) sind in Ordnung. Wer Mut beweisen will, kann auch zu Paisley-Mustern greifen, davon würde ich Anfängern aber eher abraten.
- Breite, gemessen an der dicksten Stelle – nicht weniger als 7cm und nicht mehr als 9cm. Wenn ihr ein schmales Gesicht habt, dann im unteren Bereich orientieren und umgekehrt.
- Länge – die Spitze sollte bis zur Gürtelschnalle reichen, das dünnere Ende sollte nicht zu sehen sein.
- Querbinder (=Fliege) statt Langbinder? – bitte nur zur Abendveranstaltung (black tie/ white tie), dann aber auch zum Smoking oder Frack. Ansonsten kann man, wenn man auf dem Land fröhlich in Tweed herumhüpft, selbstverständlich Fliegen aller Art ausprobieren. Im normalen Tagesgeschäft werden die Teile aber (m.E. zu Recht) als eher skurril empfunden.
- Einstecktuch – Vorsicht: Ein Einstecktuch gehört zwar eigentlich zum Anzug dazu, gerade in Deutschland werdet ihr aber schnell argwöhnisch beäugt, wenn ihr damit herumlauft. Als Anfänger also bitte allenfalls zum schlicht-weißen Leinen-Einstecktuch greifen (Faltung: „TV-Fold“). Mutige nehmen Seiden-Einstecktücher, die aber nicht matchy-matchy mit der Krawatte sein dürfen, sondern allenfalls eine Farbe der Krawatte aufgreifen dürfen (deshalb sind die Einstecktücher, die ihr etwa bei TKMaxx findet, oft komplett bunt gemustert). Beispiel: Krawatte ist bordeauxfarben > dann darf das Einstecktuch hellblau, mit bordeauxfarbenen Punkten/Blümchen/ etc. sein. So ein farbiges Einstecktuch wird dann in die Brusttasche „gestopft“, nicht ordentlich gefaltet.

Bezugsquellen:
- TK Maxx – Wer einen TK Maxx in der Nähe hat, sollte regelmäßig die Krawattenbestände dort checken. Häufig findet ihr dort unter den 90% mit limettenfarbenen Augenkrebs-Karomuster auch noch die ein oder andere ordentliche Krawatte. Häufig zu findende Marken mit anständiger Qualität: Blick (Schweizer Label, oft aber mit (zu) schmaler Breite), Altea (italienisches Label).
- Ebay – es lohnt sich durchaus, hier nach den „großen“ Krawatten-Herstellern Ausschau zu halten: Drakes, Capelli, Marinella. Indem man statt fünf Krawatten für 15 Euro eine für 75 Euro kauft, ist man oft besser beraten. Man muss wirklich nicht so viele Krawatten wie Unterhosen besitzen.

Polos (10.06.2015):

- Zur Passform von Polo T-Shirts kann man kaum etwas allgemein Gültiges sagen. Die einen tragen sie lieber weit, so dass die Schultern deutlich über der natürlichen Schultern liegen („Golf“-artig), andere wollen, dass sie wie Langarmhemden sitzen (also Schulterkante auf Schulterkante, eher „Tennis“-artig). Dann gibt es Leute, die die Shirts sehr weit tragen, andere suchen eher den schmalen, körperbetonten Schnitt. Anders als bei Anzügen gibt es hier also keine klaren Regeln: Tragt sie so, wie es euch gefällt.

- ABER: Achtet auf eine gute Stoffwahl. Der Stoff sollte matt, fest und griffig sein, Pique-Baumwolle (am Besten in Pima-Qualität) ist die richtige Wahl. Polyesterbeimischungen sind wie immer zu vermeiden – schließlich wollt ihr nicht aussehen wie ein Taucher im Neoprenanzug.

Bezugsquellen:
- Lands End
- Uniqlo
- Bestsecret (nutzt die Lupenfunktion, um euch den Stoff vorher genau anzuschauen!)

Hemden (Teil 1: Anzughemden, 05.07.2015): Siehe Beitrag im Thread.
Hemden (Teil 2: Hemden ohne Sakko/Krawatte, 01.08.2015): Siehe Beitrag im Thread.
Chinos (08.08.2015): Siehe Beitrag im Thread
Schuhe (10.10.2015): Siehe Beitrag im Thread.






Thema heute: Schuhe

Viele User haben mich in den letzten Wochen und Monaten darum gebeten, etwas zum Thema Schuhe zu schreiben, und nun ist es endlich soweit. Meine Schuhsammlung ist zwar (noch) nicht so groß wie J. Boatengs Sneakersammung, umfasst aber doch ein paar dutzend Paare. Und ja, darunter befinden sich auch Sneaker und Joggingschuhe – am Strand trage auch ich keine Rahmengenähten.

Wenn wir von Schuhen reden, dann müssen wir auch hier zuerst einmal nach Formalitätsgrad/Anlass unterscheiden. Ich würde nie Sneaker zum Anzug tragen (alleine dass das der gängige „Style“ in der Rap/Pop-Szene ist, sollte euch zu denken geben!), aber auch keine Spectators (das sind diese witzigen zweifarbigen Schuhe, die man im Zusammenhang mit Jazz-Leuten so häufig sieht). Umgekehrt kombiniere ich auch keine schwarzen Oxfords zur Jeans.

Fangen wir also mal mit der grundsätzlichen Unterscheidung an: Oxford vs. Derby. Die Oxford-Schnürung ist eine geschlossene Schnürung, das heißt, die „Lippen“ der Schnürblätter berühren sich von Anfang bis Ende komplett. Ein Derby hat dagegen eine offene Schnürung, die „Lippen“ gehen unten auseinander. Hier gilt im Grunde genommen dasselbe wie beim Anzug: Je weiter geschlossen, desto „angezogener“ und damit desto formeller. Mit anderen Worten: Der Derby ist ein Schuh für die Freizeit.

Nächste Unterscheidung: Farbe. Grundsätzlich gehen wir hier – anders als bei Anzügen – nicht von den Grundfarben blau und grau aus, sondern von schwarz und braun. Schwarz ist hier (auch hier wieder abweichend zu Anzügen) kein no-go, sondern die richtige Wahl für alle formellen Events, bei braun kommt es darauf an. Die alten Regeln „no brown in town“ (mit Town gemeint ist damit das Tagesgeschäft) oder „no brown after six“ gelten nicht mehr uneingeschränkt, heutzutage sieht man (m.E. zu recht) viel dunkelbraune oder kastanien-/oxbloodfarbene Oxfords auch in formellen Branchen wie Unternehmensberatung und Großkanzleien. Denn diese Farben passen äußerst gut zu dunkelblau, gerade oxblood ist der „Geheimtipp“ für auffällige, aber doch klassische Schuhe (hellbraun/cognac zu mittelblau sollte dagegen eher der Blogger-Szene oder italienischen Fashionistas überlassen bleiben, gehört jedenfalls nicht ins Büro, außer ihr seid in der kreativen Branche unterwegs!). Zu grauem Anzug würde ich dagegen ausschließlich schwarze Schuhe tragen. Alle anderen Farben sind für Schuhe „modefarben“: Grau, blau, grün, rot trage ich nur in der Freizeit – in Kombination mit Jeans oder Chinos sind schwarze Schuhe nämlich nicht ganz optimal (bei Chinos sieht das wegen dem starken Kontrast ganz furchtbar aus, bei dunklen Jeans dagegen je nach Schuh evtl. gerade noch verkraftbar).

Next: Spitze und Lochmuster. Je spitzer der Schuh ist, desto informeller ist er. Und je mehr Löcher, desto sportlicher. Bei Spitze und Lochmuster unterscheidet man zwischen plain/captoe, quarter brogue, half brogue und full brogue. Plain ist der Schuh (wie zu erwarten), wenn die Oberfläche komplett glatt ist, ein Captoe hat eine glatte Kappe vorne (man denke an Chucks ;)), die beim Schuheputzen auf Hochglanz gebracht wird (der Rest des Schuhes nicht, denn der ist immer in Bewegung, so dass das Wachs brechen würde). Die verschiedenen Brogue-Arten stehen für den unterschiedlichen Umfang des Lochmusters (Full brogues haben z.B. an der Ferse und an der Spitze „Broguing“.

Material: So leid es mir tut, am Leder geht kein Weg vorbei. Kalbsleder für normale Schuhe, Pferdeleder (Cordovan), wenn ihr euch etwas besonderes gönnen wollt. Letzteres hat die Eigenschaft, sehr viel Fett in sich zu speichern, so dass bei Kratzern mit einfachen Mitteln das Leder aus sich heraus „heilen“ kann. Die Lederqualität spielt beim Schuh natürlich eine entscheidende Rolle: Bei Deichmann/Aldi/Bugatti/etc.-Schnürers ist z.B. das Leder oft fast papierdünn und so trocken, dass sich sofort überall Knickfalten bilden. Ein gutes Leder ist „durchgefärbt“ und nicht „deckgefärbt“, so dass der Schuh nicht sofort schlimm aussieht, sobald auch nur ein Kratzer drin ist. „Polished Leather“ ähnelt einem Lackschuh: Hier ist eine Beschichtung aufgebracht, was den Schuh in unberührtem Zustand sehr hübsch aussehen lässt, aber bei Kratzern leider irreparabel ist (bei „normalem“ Leder könnt ihr dagegen mit Schuhcreme und Wachs reparieren).

Glatt vs. Rauleder: Auch hier gilt die Unterscheidung nach Formalitätsgrad. Glatte Schuhe sind formeller, Rauleder informeller. Pflegemäßig geben sich die Arten dagegen nicht so viel: Glatte Schuhe kann man mit Creme und Wachs behandeln, bei Rauleder darf man nur imprägnieren, dafür sieht man aber auch Kratzer nicht so schnell.

Leisten: Die Form des Schuhs bestimmt sich nach dem Leisten, auf den das Leder gespannt wird („Schuster bleib bei deinen Leisten“). Manche Leisten sind für breite Fersen gemacht, andere für schmale, dann gibt es welche mit schmalen Ballen, hohem Spann usw. Ebenso wie nicht jeder Anzug jedem gleich gut passt, passt auch nicht jeder Leisten jedem. Hier ist ausprobieren angesagt. Probiert so viele Schuhe wie möglich an, lauft mindestens 10 Minuten damit im Geschäft herum und vertraut eurem Gefühl. Ihr solltet weder eingequetscht sein noch lose herumwackeln; idealerweise sitzt der Schuh fest am Fuß und drückt allenfalls leicht an den Seiten (hier wird sich der Schuh noch weiten). Achtet insbesondere darauf, dass nicht zu viel Luft über dem Spann bleibt (sonst bilden sich schnell extrem große Gehfalten) – die Schnürung sollte beim Oxford nicht komplett zugehen, sondern ein leichtes V bilden.

Sohle: Möglich sind Gummi oder Leder, oder auch Gummi auf Leder. Gummi ist rutschfester und beständiger, Ledersohlen sehen schöner aus (manche behaupten, sie seien atmungsaktiver, daran glaube ich aber nicht wirklich). Wichtig: Wenn ich von Sohle spreche, meine ich die Untersohle, also die, die Kontakt zum Boden hat. Die Innensohle sollte dagegen natürlich IMMER aus Leder sein, weil die quasi direkten Kontakt zu eurem Fuß hat und daher Schweiß aufsaugen können muss. Ich selbst trage im Winter ausschließlich dicke Gummisohlen (Dainite-Sohle, Commando-Sohle), im Sommer wechsle ich zwischen reinen Ledersohlen und Ledersohlen mit Gummischutzsohle (macht euer Schuster für 15-25 Euro, je nach Qualität). Reine Ledersohlen verschleißen natürlich schneller und müssen dann irgendwann ausgewechselt werden, wofür wieder zwischen 30-100 Euro (je nach Qualität) anfallen. Falls ihr euch für Ledersohlen entscheidet, müsst ihr diese unbedingt auf einem trockenen, nicht zu rauen Straßenbelag einlaufen, damit sich das Leder verdichtet und „stabil wird“. Geht ihr mit der nagelneuen weichen Ledersohle im Regen auf spitzem Schotter spazieren, habt ihr sofort tiefe Kratzer/Schnitte drin, die die Sohle komplett ruinieren können. Außerdem sollte man glatte Fliesen mit neuen Sohlen meiden, wenn man Rutschpartien vermeiden möchte.

Rahmengenäht oder geklebt: Im Zusammenhang mit hochwertigen Schuhen sprechen viele sofort von „rahmengenäht“. Woran liegt das? Mit „rahmengenäht“ oder „goodyear welted“ bezeichnet man ein bestimmtes Verfahren, in dem der Schuh über einen Rahmen mit der Sohle verbunden wird. Dabei wird auch ein Korkbett in den Schuh integriert, wodurch ihr (wie bei Birkenstock-Latschen) mit der Zeit einen genau auf euren Fuß angepassten Schuh erhaltet. Da es deutlich günstiger ist, an einen Schuh einfach eine Gummisohle zu kleben, erfolgt das Goodyear-Verfahren in der Regel nur bei teureren, qualitativ hochwertigeren Schuhen. Klar sollte eben auch sein: Kleber hält nicht ewig, so dass sich die Sohle irgendwann vom Rest lösen wird – und Nachkleben ist zwar möglich, hält aber in der Regel nochmal kürzer als der Erstversuch. Und: Weil die Hersteller wissen, dass die Klebeverbindung dem ganzen Konstrukt ein recht kurzes Leben verspricht, werden eben auch die restlichen Materialien/Verarbeitungen dementsprechend gewählt.
Wie der Name schon sagt, erkennt man dagegen rahmengenähte Schuhe an einem mehr oder weniger deutlichen „Rahmen“ um den Schuh herum, auf dem die Einstichnähte zu erkennen sind. Seht ihr eine Doppelnaht, dann handelt es sich um das „stormwelted“-Verfahren, das bei wasserdichten Schuhen für den Außeneinsatz (Schuhe für den altenglischen Landadel, der auch auf seinen Spaziergängen über die winterlichen Landgüter nicht auf gute Schuhe verzichten will ;)) zum Einsatz kommt. Schließlich gibt es das „Blake“-Verfahren, bei dem auf einen Rahmen (und auf das Korkbett im Inneren) verzichtet wird, und die den Schuh mit der Sohle verbindende Naht im Innern des Schuhs verläuft – dieses kommt bei leichten, sommerlichen Schuhen zum Einsatz, also dort, wo ein dicker Rahmen und ein dichtes Fußbett fehl am Platze wären. Bei diesen Schuhen könnt ihr die Naht erfühlen, wenn ihr die Hand in den Schuh steckt.
Zusammenfassend: Es ist nicht unmöglich, einen hochwertigen Schuh mit einer geklebten Sohle herzustellen. Macht aber niemand, weil ab einer bestimmten Lederqualität eben auch eine Vernähung erwartet wird. Insofern könnt ihr bei rahmengenähten Schuhen grundsätzlich auch davon ausgehen, dass das Leder nicht ganz schlecht ist.

Quiltin4eva

Könntest du uns vielleicht auch ein bisschen was über Schneiderei erzählen? Also wo finde ich einen vernünftigen Schneider (der z.B. ein Sacko kürzt etc.) was kostet so etwas ungefähr und worauf muss man achten. Ich lerne viel neues, wofür ich sonst unnötig Geld ausgegeben hätte



Gerne, hier also ein paar Worte zur (Änderungs-)Schneiderei:

Grundsätzlich müsst ihr zwischen einfachen und schwierigen Änderungen unterscheiden. Zu den einfachen Änderungen gehören: Hose kürzer oder länger machen, Hose enger oder weiter machen, Sakko taillieren, Hemd taillieren. Das sind Änderungen, die ihr eigentlich bei jedem (häufig türkischen) Änderungsschneider um die Ecke machen lassen könnt und für die ihr zwischen 10 und 15 Euro zahlen werdet.

Schwieriger ist alles, was in die Anatomie des Sakkos eingreift. Noch relativ einfach geht das Kürzen der Gesamtlänge. Das solltet ihr aber nur machen, wenn ihr euch sicher seid, dass das Sakko nach dem Kürzen noch gut aussieht. Normalerweise sind nämlich bei jedem Sakko die Proportionen bewusst konstruiert, so dass Gesamtlänge, Schließknopfhöhe und Taschen zueinander passen. Schneidet man - grob gesagt - unten ein paar Zentimeter ab, kann das ganze ziemlich schlecht aussehen.

Nicht ganz einfach ist auch das Ärmelkürzen: Ganz schlechte Schneider bekommen den Schlitz nicht wieder hin und nähen ihn einfach zu (ist mir auch schon passiert). Ohnehin wird die Wiederherstellung des Schlitzes umso schwerer, je mehr ihr kürzen wollt: Wenn es also um mehr als 2-3 Zentimeter geht, dann fragt vorher nach, ob der Schneider den Schlitz wieder hinkriegt.

Entscheidend beim Ärmelkürzen ist auch, ob euer Sakko "working buttons" hat, also Knopflöcher an den Ärmeln, die wirklich funktionieren. Ihr seht oft in Fernsehserien (oder im Frankfurter Bankenviertel) Leute, die den letzten Knopf offen lassen (macht das bloß nicht!). Denn "echte" Knopflöcher stehen - bzw. "standen" - für hohe Qualität bzw. Handarbeit. Weil das aber inzwischen alle wissen, finden es manche Unternehmen witzig, auch ihre "günstigen" Sakkos mit solchen funktionierenden Knopflöchern auszustatten. Die Folge ist, dass man beim Kürzen nicht einfach (wie bei Fake-Knopflöchern) das Knopfloch mit einem Nahttrenner "abnehmen" kann und ggf. oben wieder ansetzen, sondern schlicht der Abstand zwischen dem untersten Knopfloch und der Ärmelkante zusammenschrumpft. Und da dieser Abstand mindestens 2 cm betragen sollte, sieht das ganze dann oft sehr missraten aus. Der einzige Weg, hier Abhilfe zu schaffen, besteht darin, den Ärmel nicht von unten, sondern von oben zu kürzen. Dabei wird der ganze Ärmel herausgenommen, gekürzt und wieder eingesetzt. Ist der Schneider nicht extrem gut (und das sind hier in Deutschland recht wenige), dann setzt er den Ärmel oft nicht ganz gerade wieder ein, so dass ihr nach der "Operation" überall Falten habt. Teuer ist der Spaß auch noch: Für das Kürzen von unten zahlt ihr nur etwa 20-30 Euro, das Kürzen von oben fängt bei ca. 50 Euro an.

Generell solltet ihr euch daher folgendes merken: Ein Sakko MUSS (!) an den Schultern passen, weil das der Part ist, bei dem fast jeder Änderungsschneider versagt. Hat das Teil "Fake"-Knopflöcher, dann ist Kürzen von unten in der Regel kein Problem. Bei echten Knopflöchern solltet ihr Vorsicht walten lassen, wenn den Ärmel deutlich zu lang ist.

Nackenfalten sind eine Materie für sich - hier kommt es darauf an, ob zu viel Stoff vorhanden ist (dann kriegt ein guter Schneider das leicht und für wenig Geld hin, indem er den überschüssigen Stoff nach oben unter den Kragen schiebt) oder zu wenig (dann ist eine Rettung ausgeschlossen). Habt ihr eine starke "X-Falte" um den Schließknopf (ebenfalls häufig im Fernsehen und bei den Suitsupply-Models zu sehen), dann ist das Sakko zu eng - auch hier kann ein Änderungsschneider kaum noch helfen (außer die Taille ein wenig auszulassen). Starke Diagonalfalten am Rücken sind ebenfalls kaum und wenn dann nur sehr kostenintensiv zu beseitigen.

Wenn ihr weitere Fragen habt, fragt wie immer gern nach!

P.S.: Wenn ihr wissen wollt, ob euer Schneider eher günstig oder eher teuer ist, dann schaut mal auf der Suitsupply-Seite unter "Tailoring". Da sind die Preise für das Inhouse-Ändern aufgeführt. Meiner Erfahrung nach sind das Preise, die eher am unteren Ende von qualitativ akzeptablen Schneidereien liegen.

Thema heute: Hemden (Teil 1: Anzughemden, 05.07.2015)

- Grundsätzlich sollte man zwischen Hemden zum Anzug und Hemden ohne Anzug unterscheiden.
- Bei Hemden, die zum Anzug getragen werden, ist die Passform beinahe egal. Denn das Sakko eines Anzugs sollte ohnehin nicht abgelegt werden, und vom Hemd sieht man ja lediglich einen Teil der Vorderseite. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass ein Hemd sich – gerade bei hohen Temperaturen – angenehmer anfühlt, wenn es nicht hauteng („Bodyfit“ bei Olymp) sitzt, sondern etwas Spiel hat. Auch auf ausreichende Bewegungsfreiheit sollte geachtet werden: Es gibt kaum etwas schlimmeres, als in Anzug und Hemd eingeklemmt zu sein wie eine Sardine in der Büchse. Die Engländer haben daher traditionell „zeltartige“ Hemden, bei denen letztlich nur der Kragen und die Armlöcher „sitzen“ und der Rest extrem weit ist.
- Was man definitiv auch bei Hemden unter dem Anzug sieht, ist der Kragen und die Manschetten. Dazu folgendes:
- Bei geschlossenem Kragen darf noch ein Finger zwischen Kragen und Hals passen, damit ihr genug Luft bekommt. Ist der Kragen zu weit, dann verschiebt er sich ständig oder sackt traurig herab, was furchtbar aussieht.
- Die Kragenschenkel sind eine Wissenschaft für sich: Ich bevorzuge den Kent-Kragen, der so weit gespreizt ist, dass die Kragenspitzen unter dem Revers des Anzugsakkos verschwinden – das sieht m.E. einfach am „aufgeräumtesten“ aus. Die Amerikaner nutzen oft Tab-Kragen, bei denen die Spreizung sehr eng ist, man also die Kragenspitzen deutlich erkennt. Weiterhin ist auch ein Haifischkragen möglich – hier solltet ihr einfach schauen, wie der entsprechende Kragen zu eurer Gesichtsform passt. Sogenannte „extreme cutaways“, die letztlich nichts anderes sind als eine Mini-Version eines kastrierten Haifisch-Kragens, gehörten nicht unter den Anzug, sondern in Bilderstrecken der GQ. Zum Button-Down-Kragen später mehr.
- Der Kragen sollte nicht zu hart sein. Verantwortlich für die Kragenhärte sind die Einlagen, die im Kragen liegen. Kragenstäbchen könnt ihr gern entfernen, wenn der Kragen auch ohne sie sauber liegt. Schlimm sieht es aus, wenn der brettharte Kragen sich mit dem Hals duelliert.
- Die Manschetten sollten, wie beim Thema „Anzüge“ bereits erwähnt, unter dem Sakkoärmel ein Stück sichtbar sein. Wie breit dieses Stück ist, kann recht frei gewählt werden, zwischen 0,5cm und 2cm ist alles vertretbar. Ich selbst wähle die Längen folgendermaßen: Der Sakkoärmel geht exakt bis zum Handgelenksknochen, das Hemd bis zum Ansatz des Daumenknochens. Achtung: Die Engländer messen die Ärmellänge nicht ab dem Schulteransatz, sondern ab dem Nackenmittelpunkt.
- Bei der Manschette könnt ihr zwischen Sportmanschette („normal“ zum knöpfen) und Umschlagmanschette (wie der Name sagt: zum Umschlagen und dann schließen mit separaten Manschettenknöpfen) wählen. Sportmanschetten „gehen immer“, Umschlagmanschetten sind (deutlich) formeller. Ihr erkennt sie daran, dass sie – in geschlossenem Zustand – nicht rund wie Sportmanschetten sind, sondern am Verschluss ein kleines Dreieck bilden, das dann natürlich auch den Sakkoärmel dementsprechend formt. Ich persönlich trage häufig Umschlagmanschetten, weil mir dieses Dreieck gefällt und weil ich bis auf Manschettenknöpfe und Uhr kaum Accessoires trage. Bei den Manschettenknöpfen solltet ihr bei weniger formellen Anlässen zu Seidenknoten greifen (gern bordeaux oder navy), bei formelleren Anlässen zum Edelstahlknoten.
- Stoff: Dass ein Hemd aus Baumwolle bestehen sollte, ist klar. Leinenhemden (die zwar sehr luftdurchlässig und schweißleitend sind, aber eben auch knittern wie verrückt) werden nur in der Freizeit getragen, Polyesterhemden mangels Atmungsaktivität gar nicht. Die Garndicke und Webtechnik hängt vom Einsatzgebiet ab: Dichte Twill- oder Fischgrätwebungen sind eher für den Winter gedacht, das normale, „saubere“ Popeline eher für den Sommer. Mein persönlicher Favorit für Anzughemden im Sommer ist die Panama-Webung, weil diese eine schöne Struktur hat und gleichzeitig sehr luftdurchlässig ist. Dünne Popeline-Stoffe (z.B. bei Oymp zu finden), haben eine gewisse Transparenz. Wenn ihr dennoch nicht auf sie verzichten wollt, achtet auf blickdichte Unterwäsche.
- Bügelfrei oder zum Bügeln? Natürlich ist es schön, wenn man das Hemd aus der Waschmaschine holen, feucht auf den Bügel hängen und dann trocken und knitterfrei herunternehmen kann. Diese Knitterfreiheit erkauft ihr euch aber durch gewisse Nachteile: Sie wird dadurch erzeugt, dass auf die Baumwolle eine Kunststoff-Beschichtung aufgedampft wird, die das Knittern verhindert. Das führt dann zu dem „Feeling“ von Olymp Level 5-Hemden, bei denen man sich z.T. fragt, ob man gerade eine Plastiktüte oder ein Kleidungsstück anfasst. Und natürlich beeinträchtigt die Beschichtung die Atmungs- und Wasserleitfähigkeit. Mit zunehmender Zeit wäscht sich die Beschichtung ab (wie bei den Teflon-Pfannen) und das Hemd knittert immer mehr. Umgekehrt gibt es Stoffe, die ohne Beschichtung so brutal knittern, das selbst das beste Bügeleisen (das idealerweise viel dampft und sehr schwer ist/ fest aufgedrückt wird) ewig braucht, um die Falten herauszubekommen. Hier muss jeder seinen eigenen Kompromiss finden.
- Farbe: „Echte“ Business-Hemden sind entweder weiß oder hellblau, niemals aber dunkel. Auf Streifen und (große) Karos solltet ihr lieber verzichten. Der Vorteil von einfarbigen Hemden: Ihr könnt bei kleinem Budget erst einmal eine geringe Menge kaufen, ohne dass jemand merkt, dass ihr recht häufig dasselbe Hemd anhabt. Bei auffälligen Mustern ist das natürlich anders.
- Gesamtlänge: Kauft eure Hemden nicht zu kurz! Früher galt die Regel, dass man Vorder- und Rückseite im Schritt zusammengreifen können muss. Das ist m.E. nicht zwingend erforderlich, das Hemd sollte aber doch so lang sein, dass es auch bei häufigem Aufstehen/Hinsetzen/ sich Bewegen nicht aus der Hose rutscht.

Bezugsquellen:
Hemdenkaufen ist oft nicht einfach, weil jeder andere Vorlieben hinsichtlich Passform, Kragenart, Manschettenart und Stoffart hat. Ich kann daher an dieser Stelle nur ein paar generelle Tipps geben:
- Bei Charles Tyrwhitt findet ihr Hemden mit einem sehr ordentlichen Preis-Leistungs-Verhältnis. Dort ist quasi dauerhaft „Sale“, so dass ihr Zeiten ohne Sale unbedingt meiden solltet. Oft findet ihr (z.B. hier bei Mydealz) Gutscheine, mit denen ihr nochmal sparen könnt. Meine Empfehlung: Das „Royal-Panama“-Hemd in „Extra Slim“ und „bügelfrei“. Die Passform ist zwar nicht so eng wie die von Olymp Level 5 (bodyfit), aber m.E. durchaus körperbetont bei sportlichen Figuren (breitere Brust, kein Bauch). Allerdings haben die wohl in letzter Zeit den Schnitt nochmal enger gemacht – ich selbst habe dort schon länger nicht mehr bestellt. Vielleicht können hier andere über entsprechende Veränderungen berichten. Die „bügelfrei“ Beschichtung ist durchaus erträglich, ein „Plastik-Gefühl“ kommt hier nicht auf.
- Paul Rosen (Linie: Heritage) ist eine Hausmarke des Herrenausstatters Anson’s. Im Sale findet ihr hier ebenfalls ordentliche Qualität zu erschwinglichen Preisen.
- Jaques Britt und van Laack produzieren recht ordentliche Hemden, die allerdings nach meiner Erfahrung etwas weiter geschnitten sind. Im örtlichen Lagerverkauf findet ihr die Teile etwas günstiger.
- Marken wie Arrow, Gloriette oder Q1, die ihr häufig bei BS deutlich reduziert findet, können schöne Hemden haben, oft ist die Qualität aber auch unterirdisch (ich spreche aus leidvoller Erfahrung). Hier müsst ihr entweder den Versuch wagen oder aber hier im Thread fragen, ob jemand mit dem entsprechenden Modell schon Erfahrungen gemacht hat.
- Aus den o.g. Gründen bin ich kein Olymp-Fan, weiß aber, dass die Hemden sich (auch dank exzessiver GQ-Werbung) zunehmender Beliebtheit erfreuen. Wer eine sehr enge Passform bei hoher Knitterfreihit sucht, ist hier richtig.
- Wer es „richtig krachen lassen“ will (Hochzeiten etc.), lässt sich Hemden von Luxire aus den USA kommen. Die haben eine Riesenauswahl an wunderschönen Stoffen und bieten eine Fülle an möglichem „customizing“ an. Preislich liegt ihr damit aber nicht mehr bei ca. 20-40 Euro wie bei CT, sondern eher bei 80 Euro aufwärts.

891 Kommentare

Anzüge

Tipps:
- Farbe - Die Farbe schwarz ist die formellste aller Farben. Deshalb findet man sie in der klassischen Herrengarderobe nur bei Teilen wie dem Frack oder dem Smoking. Anlässe sind hochformelle Angelegenheiten wie Abendveranstaltungen (dazu dann der schwarze Smoking) oder Beerdigungen. Im normalen Tagesgeschäft hat die Farbe schwarz nichts verloren, auch wenn man in Deutschland viele Geschäftsleute in schwarzen Anzügen umherlaufen sieht. Wenn ihr zu einem sicheren „Allrounder“ greifen wollt, dann wählt blau (am besten navy) oder mittel- bis dunkelgrau.
- „cover your ass“ – das Sakko eines Anzugs sollte immer den Hintern bedecken, und sei er noch so groß.
- die Schultern müssen passen – Ärmellänge, Taillierung und Nackenfalten sind vom Änderungsschneider korrigierbar, die Schulterbreite ist es nicht. Wenn die nicht passt, könnt ihr mit dem Anzug nichts anfangen. Dass die Schultern zu groß sind, merkt man, wenn man sich mit der Schulter zuerst gegen eine Wand lehnt. Trifft die Sakkoschulter vor der natürlichen Schulter auf, dann gebt den Anzug zurück.
- Revers – ein breites Gesicht passt mit einem schmalen Revers oft nicht zusammen.
- Stoff – Die „Super“-Zahl allein sagt nicht alles. Achtet darauf, dass der Stoff keine Polyesterbeimischung enthält, wenn ihr darin nicht schwitzen wollt wie Schweine. Baumwolle und Leinen sind typische Sommerstoffe. Sie knittern leichter, sind aber wegen ihrer groben Struktur auch sehr luftdurchlässig.
- Knöpfe - Ein "Standard-"Anzug hat zum Schließen eine Reihe mit zwei Knöpfen. Tatsächlich wird aber nur der oberste Knopf geschlossen, der untere bleibt offen. Zu einem Sakko mit drei Knöpfen könnt ihr greifen, wenn ihr besonders groß seid. Der unterste Knopf wird hier nie geschlossen, in der Regel müsst ihr beide oberen schließen (Ausnahme: Das Revers "rollt" über das obere Knopfloch, dann habt ihr ein "getarntes" Zweiknopfsakko erwischt). Zweireiher stehen euch insbesondere dann, wenn ihr bei den Nutella-Deals fleißig zugeschlagen habt und etwas älter seid, ansonsten könntet ihr durchaus etwas seltsam angeschaut werden.
- Ärmellänge - Wenn die Ärmel länger sind als der Ansatz des Daumenknochens, dann sind sie zu lang. Wie viel kürzer sie sein dürfen, ist absolute Geschmacksfrage. Die Manschette des Hemdes darf aber gerne herausschauen - schon allein um zu zeigen, dass man trotz der Hitze nicht ins Kurzarm-Hemd-Fettnäpfchen getreten ist X).

Bezugsquellen:
- Suitsupply – der Geheimtipp, der wohl bald keiner mehr ist. Niederländisches Label mit hervorragendem Preis-/Leistungsverhältnis > Achtung: Ihr sollt in den Anzügen bitte, bitte nicht so aussehen wie die Models im Shop. Die tragen nämlich den Anzug mindestens (!) eine Größe zu klein, um das ganze "stylish" wirken zu lassen.
- Windsor Sartorial – im UVP deutlich teurer als Suitsupply, die Qualität ist vergleichbar.
- Bestsecret – beim Privatshoppingclub gibt es häufig qualitativ hochwertige Markenware etwa im Suitsupply-Preisniveau. Die genauen Marken dürfen hier nicht genannt werden.
Krawatten (27.05.2015)
- Material – Wenn ihr euch nicht sicher seid, greift zu Seide. Polyester ist auch hier tabu, es sei denn, ihr arbeitet bei einem Discounter und habt keine andere Wahl. Oder ihr braucht wegen den ständigen Steak- und Rotweinflecken was abwaschbares – dann seid ihr aber mit einem Lätzchen besser dran. Gerade im Sommer ist auch Baumwolle und Leinen möglich, im Winter auch Wolle oder Kaschmir. Denkt bei den ersten beiden wieder an die Knittergefahr. Mit Seide seid ihr auf der sicheren Seite. Noch ein Hinweis: Auch bei Seide gibt es fies glänzende Krawatten, die aussehen, als wären sie aus Polyester. Diese Teile gilt es natürlich zu vermeiden. Der Binder sollte allenfalls matt (!) schimmern und sich „trocken“ anfühlen. Neuerdings tauchen vermehrt Strickkrawatten aus Baumwolle mit geradem Ende (also ohne Dreiecksspitze) auf. Die sollten nur zu legeren Outfits getragen werden. Merke: Je grober die Struktur, desto legerer das Outfit.
- Knoten – Nehmt lieber einen Four-in-hand als einen (doppelten) Windsor. Letzerer sieht sehr nach bravem Schulbuben aus, dem der Papa noch den Knoten gebunden hat.
- Farbe – Auf der sicheren Seite seid ihr mit bordeaux, weil das sowohl zu grauen, als auch zu blauen Anzügen passt. Auch mit dunkelblau macht ihr wenig falsch, solltet das dann aber nicht zu blauen Anzügen kombinieren (entweder es beißt sich oder es sieht einfach langweilig aus). Schwarze Krawatten sind für Nicht-Bestatter genauso tabu wie schwarze Anzüge. Grau ist die formellste Farbe und wird daher oft auf Hochzeiten (als Bräutigam, nicht als Gast!) getragen. Greift am Anfang lieber zu dunkleren/mittleren Tönen, damit die Krawatte nicht leuchtend hervorsticht.
- Muster – einfarbig (uni) ist die sicherste, aber auch die langweiligste Variante. Wenn schon uni, dann am Besten mit einer Struktur, also z.B. Grenadine-Seide (einfach mal googlen. Schauen aus wie Strickkrawatten, sind aber gewebt). Kleine (!) Blümchen gehen immer, auch Diagonal-Streifen („Repp-Tie“) sind in Ordnung. Wer Mut beweisen will, kann auch zu Paisley-Mustern greifen, davon würde ich Anfängern aber eher abraten.
- Breite, gemessen an der dicksten Stelle – nicht weniger als 7cm und nicht mehr als 9cm. Wenn ihr ein schmales Gesicht habt, dann im unteren Bereich orientieren und umgekehrt.
- Länge – die Spitze sollte bis zur Gürtelschnalle reichen, das dünnere Ende sollte nicht zu sehen sein.
- Querbinder (=Fliege) statt Langbinder? – bitte nur zur Abendveranstaltung (black tie/ white tie), dann aber auch zum Smoking oder Frack. Ansonsten kann man, wenn man auf dem Land fröhlich in Tweed herumhüpft, selbstverständlich Fliegen aller Art ausprobieren. Im normalen Tagesgeschäft werden die Teile aber (m.E. zu Recht) als eher skurril empfunden.
- Einstecktuch – Vorsicht: Ein Einstecktuch gehört zwar eigentlich zum Anzug dazu, gerade in Deutschland werdet ihr aber schnell argwöhnisch beäugt, wenn ihr damit herumlauft. Als Anfänger also bitte allenfalls zum schlicht-weißen Leinen-Einstecktuch greifen (Faltung: „TV-Fold“). Mutige nehmen Seiden-Einstecktücher, die aber nicht matchy-matchy mit der Krawatte sein dürfen, sondern allenfalls eine Farbe der Krawatte aufgreifen dürfen (deshalb sind die Einstecktücher, die ihr etwa bei TKMaxx findet, oft komplett bunt gemustert). Beispiel: Krawatte ist bordeauxfarben > dann darf das Einstecktuch hellblau, mit bordeauxfarbenen Punkten/Blümchen/ etc. sein. So ein farbiges Einstecktuch wird dann in die Brusttasche „gestopft“, nicht ordentlich gefaltet.

Bezugsquellen:
- TK Maxx – Wer einen TK Maxx in der Nähe hat, sollte regelmäßig die Krawattenbestände dort checken. Häufig findet ihr dort unter den 90% mit limettenfarbenen Augenkrebs-Karomuster auch noch die ein oder andere ordentliche Krawatte. Häufig zu findende Marken mit anständiger Qualität: Blick (Schweizer Label, oft aber mit (zu) schmaler Breite), Altea (italienisches Label).
- Ebay – es lohnt sich durchaus, hier nach den „großen“ Krawatten-Herstellern Ausschau zu halten: Drakes, Capelli, Marinella. Indem man statt fünf Krawatten für 15 Euro eine für 75 Euro kauft, ist man oft besser beraten. Man muss wirklich nicht so viele Krawatten wie Unterhosen besitzen.

Polos (10.06.2015):

- Zur Passform von Polo T-Shirts kann man kaum etwas allgemein Gültiges sagen. Die einen tragen sie lieber weit, so dass die Schultern deutlich über der natürlichen Schultern liegen („Golf“-artig), andere wollen, dass sie wie Langarmhemden sitzen (also Schulterkante auf Schulterkante, eher „Tennis“-artig). Dann gibt es Leute, die die Shirts sehr weit tragen, andere suchen eher den schmalen, körperbetonten Schnitt. Anders als bei Anzügen gibt es hier also keine klaren Regeln: Tragt sie so, wie es euch gefällt.

- ABER: Achtet auf eine gute Stoffwahl. Der Stoff sollte matt, fest und griffig sein, Pique-Baumwolle (am Besten in Pima-Qualität) ist die richtige Wahl. Polyesterbeimischungen sind wie immer zu vermeiden – schließlich wollt ihr nicht aussehen wie ein Taucher im Neoprenanzug.

Bezugsquellen:
- Lands End
- Uniqlo
- Bestsecret (nutzt die Lupenfunktion, um euch den Stoff vorher genau anzuschauen!)

Hemden (Teil 1: Anzughemden, 05.07.2015): Siehe Beitrag im Thread.
Hemden (Teil 2: Hemden ohne Sakko/Krawatte, 01.08.2015): Siehe Beitrag im Thread.
Chinos (08.08.2015): Siehe Beitrag im Thread
Schuhe (10.10.2015): Siehe Beitrag im Thread.






Das merk ich mir und folge dem Thread

Trendige Männer verbinden GQ Mode mit klassischen Elementen

Anzüge trage ich neben Suitsupply sehr viel Roy Robson. Da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis auch immer sehr gut und Hugo Boss, weil die meiner Figur sehr gut passen. Was zB. gar nicht geht sind Joop Anzüge...die haben einen extrem schlechten und schmalen Schnitt.

Admin

Netter Thread. Bin ja mal gespannt. Ich bin Gott sei Dank (ist natürlich Geschmackssache) immer noch ohne Anzug ausgekommen (außer einer von Zara für ne Hochzeit ^^).

Joop sind wirklich superschmal, das stimmt. TH ebenso. Digel ist für mich der hiddenchamp.

Merk

Rio Dioro

Joop sind wirklich superschmal, das stimmt. TH ebenso. Digel ist für mich der hiddenchamp.


Digel hat aber mehr verschiedene Modelle (Schnitte) als Joop! und TH zusammen. Insbesondere sind da leider viele Modelle aus Mischgeweben. Insofern müsstest Du Deine Aussage schon präzisieren.

wie machst du das mit der passenden Größe? bestellst du immer drei Größen zur Anprobe?

cinnamon

wie machst du das mit der passenden Größe? bestellst du immer drei Größen zur Anprobe?



Bei Suitsupply war ich einige Male in den Läden und kenne daher die Schnitte und Größen, die mir passen. Online muss ich also nur noch Stoff und Farbe aussuchen. Wenn du noch nie im Laden warst, würde ich tatsächlich einfach mal eine ganze Ladung kommen lassen (die schicken per UPS) und mich durchprobieren. Der Versand und Rückversand ist kostenlos (und bleibt es hoffentlich auch dann, wenn nun die Mydealzer die Retourenquote in die Höhe treiben ;)).

Wenn ich bei Bestsecret Anzüge oder Sakkos bestelle, dann in der Regel nur von Marken, die ich bereits kenne/besitze und deren Schnitt ich daher einschätzen kann. Die Größenangaben bei BS sind in der Regel auch recht zuverlässig; da aber nur die Maße zu einer einzelnen Größe angegeben sind, ist das oft ein Glücksspiel. Man sollte auch bedenken, dass bei zu hoher Retourenquote bei BS offenbar auch schnell Schluss sein kann.

gibts ne regel oder ähnlich zu der frage krawatte oder fliege?

annau

gibts ne regel oder ähnlich zu der frage krawatte oder fliege?



Kommt noch :).

annau

gibts ne regel oder ähnlich zu der frage krawatte oder fliege?


bist ein schatz :-* umd vergiss cäppies und sonnenbrillen nicht =P

Suche einen schwarzen Anzug!
Wo finde ist gute im Preisbereich 300-500 Euro mit hoher Stoffqualität
(Baumwolle) so wie einer "Ersatzhose"? Ist auch interessant, wenn
jemand einen "hochwertigen"Anzug trägt, sieht man(n) das sofort am
Design/Stoff des Anzuges (so was suche ich auch - egal wenn ich
etwas mehr ausgeben muss).

Gruß
R.

Richtig gut. Meine Hosengröße ist jedoch eine Größe kleiner als meine Sakko-Größe. Weißt du, ob man da variieren kann?

Bohlaa

Richtig gut. Meine Hosengröße ist jedoch eine Größe kleiner als meine Sakko-Größe. Weißt du, ob man da variieren kann?



Was meinst du? Dafür hat jeder Hersteller sogenannte Baukastenanzüge im Angebot. Sind halt alle recht schlicht vom Stil her, dafür kannst du das 56er Sakko mit der 52er Hose mischen zum gleichen Preis.

Bohlaa

Richtig gut. Meine Hosengröße ist jedoch eine Größe kleiner als meine Sakko-Größe. Weißt du, ob man da variieren kann?



Wie "ibex" schon gesagt hat: Dafür gibt es grundsätzlich Baukastensysteme. Bei Suitsupply gibt es das nicht wirklich; du müsstest da schon die (kleinste) MTM (="Made to Measure")-Linie (blue line tailoring) in den Shops wählen. Dort kannst du dann innerhalb der blauen Linie (=günstigste Linie) puzzeln, zahlst aber eben mehr als für den "normalen" blue line - Anzug im Online-Shop.

Bei der Hose geht es allerdings oft nur darum, dass Bund und Hintern zu weit oder die Hosenbeine zu lang sind. Das kann jeder einigermaßen fähige Änderungsschneider für wenig Geld erledigen. Anzughosen sind anders als Jeans darauf angelegt, sich leicht ändern zu lassen. Wenn du sowieso in den SuSu-Stores bist, können die das auch machen mit ihrem "in House-Schneider", der preislich ziemlich attraktiv und qualitativ okay ist.

Kleine Ankündigung: Heute gibt es einen kleinen Beitrag zu Krawatten. Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr die hier schonmal stellen, ich werde sie dann - im Rahmen des Möglichen - aufgreifen (_;).

merk

Schöner Thread, so ganz Kiddiefrei. Hat man bei MD dieser Tage ja auch nicht mehr so oft. ;-)
Ich mag die Sachen von Baldessarini und Marc O'Polo ganz gern. Anzüge für junge Menschen sollen sich wohl auch bei Anson's gut kaufen lassen, dort war ich bisher mangels Zeit aber noch nicht. Evtl. hat da ja jemand anderes schon Erfahrungen sammeln können?

Erstmal danke für die Zusammenfassung - wirklich klasse!

Bzgl. Suitsupply:
Hab auch auf Anraten von Dealerstealer mir dort ein Anzug bestellt. Was erstaunlich gut funktioniert ist der Größenassistent.
Man vermisst sich und gibt die Daten ein - bei mir hat das Sakko zu 100% perfekt gepasst und nur die Hose musste ein wenig gekürzt werden!
Die Qualität des Anzugs ist besser als die von Strellson!

Bzgl. Krawatten:
Stoffart (wobei eigentlich nur Seide geht;-)
Farbe Anzug - Krawatte (hier sollte es harmonieren)

Dein Kommentar
Avatar
@
    Text
    Top Diskussionen
    1. Wer von euch war das ? :D1920
    2. Begrüßt bitte unsere beiden neuen Moderatoren5887
    3. Mondpreise für Standardartikel bei Amazon Marketplace68
    4. 5x 10€ Bahn eCoupons zu verschenken (bis morgen gültig)22

    Weitere Diskussionen